Woher hat das Opernhaus seine Kuppel?

Dortmund.. Sie ist unverwechselbar und prägt das Stadtbild wie nur wenige andere Gebäude: Die Oper mit ihrem prägnanten Kuppelbau. Wir haben uns in die Archive gestürzt und nachgeforscht, woher das ungewöhnliche Dach kommt.

Die Geschichte der Kuppel beginnt mit Krieg und Zerstörung. Denn der von dem berühmten Architekten Martin Dülfer als „Mustentempel“ 1904 erschaffene Theaterbau wurde während des Zweiten Weltkriegs 1943/44 durch Bombentreffer stark in Mitleidenschaft gezogen – das Haus brannte aus. Eine Diskussion entbrannte, ob besser das Alte wieder aufgebaut oder Neues geschaffen werden sollte, wie Dr. Peter Kroos, stellv. Vorsitzender des Bunds Deutscher Architekten (BDA) Dortmund, berichtet. „Letztendlich war der Abriss aber politischer Wille.“

Von Pathos und Gigantomanie absetzen

Bei dem Wettbewerb für den Neubau setzte sich im Frühjahr 1955 der Entwurf von Heinrich Roskotten und Edgar Tritthart durch – sie gehörten damals zur „Crème de la crème“ deutscher Architekten, so Kroos. Ein Entwurf wohlgemerkt, der eng verknüpft ist mit der damaligen Zeit: Die schrecklichen Erfahrungen des Dritten Reiches waren noch greifbar und das Bedürfnis groß, sich von dem Pathos und der Gigantomanie der Nazis abzusetzen. „Man hat jede monumentale Geste verhindert“, berichtet Kroos. Ein Streben, dem gerade die so dynamische und organische Kuppel entgegenkommt, die Leichtigkeit, Freiheit, Bewegung verspricht.

Die Professorin Renate Kastorff-Viehmann schreibt in ihrem Essay zu „100 Jahre Theater Dortmund“, dass der Bau eben kein erhabener Tempel sein sollte, sondern ein Haus, das einem „neuen demokratischen Denken“ gemäß die Schranken zwischen Alltag und Kunst niederreißt und sich „der Einwohnerschaft öffnet“: Ein modernes Stadttheater in einer modernen Industriestadt.

Sieben Jahre - von 1958 bis 1965 – sollte der Bau dauern. Gerade die Herstellung der Kuppel sei eine „bautechnische Meisterleistung“ attestiert Kastorff-Viehmann, berechnet von dem Statiker Karl Wüst: Die auf drei Punkten aufgelagerte, 8,5 Zentimeter dicke Betonschale ist zwischen drei 70 Zentimeter breiten Betonbögen gespannt. Würde man einen Kreis um die Punkte schlagen, hätte dieser einen Durchmesser von 62,36 Metern. Die Kuppel – mit einer Scheitelhöhe von fast 17 Metern – wölbt sich über eine Grundfläche von 1800 qm.

Weder Quadrat noch Kreis

Weder Quadrat noch Kreis – das Dreieck ist in Dortmund das Symbol der Bühnenkunst. Bei der Einweihung im März 1966 wurde der Bau enthusiatisch gefeiert. Gleichwohl hatte die Realisierung zu lange gedauert, um noch architektonische Maßstäbe zu setzen: Die als „Schwangere Auster“ bekannt gewordene Berliner Kongresshalle oder die Frankfurter Jahrhunderthalle hatten schon längst für Furore gesorgt.

Nichtsdestotrotz ist das Stadttheater „für die Zeit einer der prägendsten Bauten, der auf kaum einer Postkarte fehlte“, sagt Kroos: Ein Bau, der bis heute Identifikation stiftet. Oder, wie es Kastorff-Viehmann ausdrückt: „Das Große Haus ist Kunst.“

So hat der Rat beschlossen, den Kuppelbau in die Denkmalliste eintragen zu lassen. Das Verfahren läuft noch.

 
 

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