Witwe des ermordeten Juweliers hofft auf härtere Strafe

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Bei jedem Satz der zierlichen, kleinen Frau scheinen die zwei bulligen Männer auf der Anlagebank des Schwurgerichtes mehr in sich zusammenzusinken. Dabei klagt Claudia La Paglia nicht lauthals an. Sie weint nicht, verliert nicht die Fassung. Die Witwe des Juweliers, der drei Tage nach dem Überfall auf das Geschäft „Italy Gold“ starb, erzählt ganz sachlich als Zeugin im Prozess, wie das Leben einer ganzen Familie an jenem 3. Dezember 2008 aus den Fugen gerät – und das lässt niemanden kalt

Auch nicht jenen 31-Jährigen, der laut Staatsanwaltschaft in dem Kampfgetümmel zu dem Ringeisen griff , einem Goldschmiede-Werkzeug, und Francesco La Paglia damit zu Boden schlug. Ihm wird Raubmord vorgeworfen.

Mordwaffe Ringeisen

Sein Komplize (28) ist wegen Raubes mit Todesfolge angeklagt. Beide Männer hören mit gesenkten Köpfen und versteinerten Mienen zu, als die Witwe und Mutter vierer Kinder sagt, was der Verlust des Mannes, des Vaters für sie alle bedeutet. „Mein Leben ist kaputt gemacht worden“, sagt Claudia La Paglia in einfachen Worten. Einer der wenigen Sätze, in denen die 46-Jährige von sich selbst erzählt. Davon, wie es in ihr aussah nach drei Tagen vergeblichen Hoffens.

Bis zum Schluss hat die Familie nach dem Überfall an ein Wunder geglaubt: „Die Ärzte haben von Anfang an gesagt, dass es sehr schlecht um meinem Mann steht. Aber dass er stirbt, das war für uns unvorstellbar.“ Und schon ist Claudia La Paglia wieder bei ihren vier Kindern. „Sie haben alle sehr gelitten, mein Sohn hat im Studium Zeit verloren, alles sind in ihren Leistungen abgesackt.“ Die 19 bis 25 Jahre alten Kinder – darunter ein Zwillingspaar – können einfach nicht begreifen, dass ihr Papa nicht mehr da ist. Können nicht begreifen, was an jenem Tag in dem Geschäft an der Bornstraße geschah.

Familie verlor den Ernährer

Was Claudia La Paglia nur am Rande erwähnt: Die Familie hat auch ihren Ernährer verloren. Einen Monat nach der Tragödie krempelt Claudia La Paglia die Ärmel hoch, arbeitet wieder als Hauswirtschaftlerin in einer Kindertagesstätte. Sechs Monate später erleidet die 46-Jährige einen Schlaganfall. Diagnose der Ärzte: „belastungsbedingt“.

Am Ende der einfühlsam geführten Zeugenvernehmung fragt der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer, ob sie von sich aus noch etwas sagen möchte. Da setzt sich die zarte Frau ganz gerade hin. Und erinnert an den ersten Prozess, an dem zwei der vier Räuber zu Haftstrafen von acht und vier Jahren verurteilt worden sind. „Ich hoffe, dass die Strafe diesmal anders ausfällt. Nach dem letzten Urteil war ich richtig krank.“