„Wir sind kein Golfclub“

Nadine Albach
Der neue Dortmund Opernintendant Jens-Daniel Herzog. Bild: Ralf Rottmann
Der neue Dortmund Opernintendant Jens-Daniel Herzog. Bild: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Jens-Daniel Herzog brennt. Für eine andere Oper, für einen Neuanfang, für Dortmund. Das muss der neue Opernintendant auch – denn das Musiktheater hat katastrophale Auslastungszahlen. Nächste Woche Dienstag stellt der 46-Jährige dem Kulturausschuss das Programm vor, mit dem er die Oper aus ihrem Tief holen will.

„Man merkt, dass das Haus einen Neubeginn braucht“, sagt Jens-Daniel Herzog : Sein Programm für die neue Spielzeit wird ein kompletter Neustart, keines der alten Stücke bleibt. „Ich wäre froh, wenn ich etwas hätte, von dem ich wüsste, dass es läuft.“

Die nächsten fünf Jahre hat er durchgeplant, zehn Programmreihen entwickelt, zehn Premieren für die nächste Saison geplant. Drei davon inszeniert er selbst, um gemeinsam mit einer festen Hausregisseurin für eine eigene Dortmunder Handschrift zu sorgen. „Wir müssen massiv in Vorleistung gehen“, sagt Herzog, der viele seiner Produktionen an andere Häuser verkaufen will – gegen Geld oder andere Produktionen.

Klassiker der Opernliteratur, Belcanto, Barock, Operette sollen erklingen. Einen Schwerpunkt legt Herzog auf Alte Musik – und verspricht sogar eine Erstaufführung mit Spezialisten für historisch informierte Aufführungspraxis. Mozarts Werke sollen einen weiteren roten Faden bilden: „Das ist für mich das Maß, an dem man sich misst. Wenn ich einen Mozart sehe, weiß ich schnell, wo ein Theater steht.“

Und der jetzige Stand des Musiktheaters in Dortmund gefällt Herzog ganz und gar nicht: Er wünscht sich wieder mehr „Glamourfaktor“ und Inszenierungen mit „Herz und Verstand“, die zeigen, „dass wir ernsthaft arbeiten“. Vor allem setzt er auf die Qualität seiner Stimmen. Von der bisherigen Gruppe bleiben Tenor Hannes Brock sowie die Sopranistinnen Julia Amos und Anke Briegel. Den Rest der insgesamt 20 festen Sängerinnen und Sänger, hat er in über 1500 Vorsingen gefunden – von denen er gerade erst einige in New York absolviert hat. „Das Vorsingen wird auch immer weitergehen“, sagt Herzog. „Dortmund soll wieder den Ruf bekommen, eine Sängerschmiede zu sein, die gute Stimmen aufbaut.“ Dazu gehört für ihn auch Vernetzung und Kooperation – die er mit Schwetzingen, Mannheim, Kassel, Frankfurt oder den Tagen der alten Musik in Innsbruck sowie im Ausland sucht.

Herzog will weg vom „selbst gewählten inneren Exil“ und dem elitären Image des Musiktheaters: „Wir sind kein Golfclub.“ Ihm geht es um echte Kommunikation – mit seinem Ensemble, dem Publikum und der Stadt. „Ich versuche, den Dialog und das Vermitteln in den Mittelpunkt zu stellen.“ Er hat es geschafft, dass jedes Stück der nächsten Spielzeit von städtischen Institutionen unterstützt wird. Und er nimmt die Idee ernst, „Oper für Dortmund“ zu machen:

Herzog hat ein Rechercheprojekt mit dem BVB vereinbart, will aber noch keine Details verraten. „Wir sind keine elitäre Kunstbande“, erklärt er – was er auch mit der Wahl des Musicals in der nächsten Saison beweist: Die Stripperkomödie „Ganz oder gar nicht“ versteht er als „unseren Beitrag zum Strukturwandel: Ausrangierte Stahlarbeiter, die ihr Selbstbewusstsein wiederfinden – das passt perfekt ins Ruhrgebiet.“

Die Zuschauer von morgen zu erreichen, ist Herzog besonders wichtig: In der „Jungen Oper“, wie er die Kinderoper nennen will, plane er ein „sehr ehrgeiziges Projekt“, das alle Sparten und auch Schulen, Vereine und Verbände der Stadt vereinen soll.

Insgesamt will er das Signal setzen, dass die Oper wieder ihre Türen öffnet – und mit einer „modernen Erzählweise die Sehnsüchte der heutigen Menschen aufgreift.“ Die erste Chance dazu bietet die Operngala, mit der Herzog die Saison eröffnet. „Damit es schnell wieder heißt: Das Theater Dortmund zählt wieder etwas in der Stadt und der Region.“