"Wir die Wand" - Gänsehaut auf der Südtribüne des BVB

Fabian, genannt Borsti (27), Holztechniker, Block 13: "Ich setze alles daran, kein BVB-Spiel zu verpassen. Und das ist mir in den letzten 11 Jahren auch gelungen. Bei 1000 Spielen war ich dabei."
Fabian, genannt Borsti (27), Holztechniker, Block 13: "Ich setze alles daran, kein BVB-Spiel zu verpassen. Und das ist mir in den letzten 11 Jahren auch gelungen. Bei 1000 Spielen war ich dabei."
Foto: WDR
Ein Spiel dauert 90 Minuten. Ein Film auch. Am Donnerstag läuft im WDR "Wir die Wand" — eine Dokumentation über die legendäre Südtribüne des Dortmunder Stadions. Der Film zeigt die Leidenschaft für Fußball anhand von elf "Stehern", die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Dortmund.. 90 Minuten lang zeigt der Film "Wir die Wand" die Gesichter von elf BVB-Fans während eines Fußball-Spiels. Die Elf könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch eines eint sie: Sie stehen auf der Südtribüne, der gelben Wand im Dortmunder Stadion. Ein eindrucksvoller Film. Am Donnerstag (3. Oktober) läuft der Film ab 21.45 Uhr im WDR Fernsehen.

Schon bei der Premiere Anfang September im CineStar in Dortmund herrschte Stadion-Atmosphäre: BVB-Trikots, Schals, Dosenbier. Kevin Großkreutz betrat das Kino durch den Hintereingang - und stand plötzlich doch inmitten hunderter Fans. Klar, dass sich der "Dortmunder Junge" die Premiere – mit Bruder Lenny – nicht entgehen ließ. Nach den 90 Minuten sagte der 25-Jährige: "Der Film ist einfach überragend. Genau so ist es auf der Süd. "

16 Kameras im Einsatz

Auf eben jener "Süd" haben Autor Klaus Martens und seine Mitarbeiter am 20. April 2013 BVB-Fans während des Spiels gegen Mainz mit 16 Kameras begleitet. "Die Idee ist aber schon 2001 entstanden, zunächst aber auf große Skepsis gestoßen", sagt Martens, der die Dokumentation im Nachhinein als "Kammerspiel" bezeichnet.

Für Sonia Mikich (Redaktion WDR) "ist es ein Heimatfilm. Es wird in 90 Minuten zusammengefasst, was einen Menschen ausmacht." Mikich musste sich bei der Premiere dafür entschuldigen, noch nie ein BVB-Spiel live im Stadion erlebt zu haben. "Das werde ich aber jetzt nachholen", verspricht sie.

Unterschiedliche Charaktere — die Süd als Spiegelbild der Gesellschaft

In der Tat zeigt der Film die Südtribüne, wie sie ist. Mit ihren Widersprüchen und ihrer Vielfalt. Da ist die Prostituierte, die erklärt, sie könne sich den Stadionbesuch erlauben, weil in ihrem Bordell ohnehin kein Betrieb ist, wenn der BVB spielt. Unweit von ihr steht der Mathematik-Professor Mathias, wieder woanders hat der Gewürzmischer Bruno seinen Platz in unmittelbarer Nähe der Rainbow-Borussen, einem Fan-Club von Homosexuellen, gefunden.

Und unten, auf einem Podest zwischen den Blöcken 12 und 13, steht Oliver Ricken — meist mit dem Rücken zum Spielfeld. Er gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an auf der größten Stehplatz-Tribüne Europas. Ricken ist Ultra, gehört der Gruppe "The Unity" an und fungiert als Vorsänger. All diese Charaktere leben auf der Süd und hauchen der Tribüne Leben ein. Für die Dauer eines Fußball-Spiels fallen Klassengrenzen. Kein Fan weiß, was sein Nachbar oder der Typ 20 Stufen weiter unten rechts im echten Leben macht. Es spielt aber auch keine Rolle.

 
 

EURE FAVORITEN