Dortmund

Wir arbeiten uns kaputt

Burnout ist gewaltig auf dem Vormarsch. In den letzten zwölf Jahren hat das Ausgebranntsein von Beschäftigten um 83 Prozent öfter zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Diese Zahl nannte DGB-Chefin Jutta Reiter gestern bei einer Tagung zum Thema.

Dortmund. Burnout ist gewaltig auf dem Vormarsch. In den letzten zwölf Jahren hat das Ausgebranntsein von Beschäftigten um 83 Prozent öfter zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Diese Zahl nannte DGB-Chefin Jutta Reiter gestern bei einer Tagung zum Thema.

Bei den Gründen für eine Frühverrentung hat sich die psychische Erkrankung auf den ersten Platz vorgeschoben. Von zehn Arbeitsunfähigen müssen vier wegen Burnouts vorzeitig aufhören: Männer durchschnittlich mit 49 Jahren, Frauen mit 48, so Reiter bei der Tagung für Betriebsräte und Vertrauensleute.

Gefahr der Ausbeutung

„Arbeitsschutz braucht eine stärkere Beachtung“, sagte Reiter, die forderte: „Wir brauchen Kontrollen!“ Das Beispiel Envio zeige, dass Unternehmer nicht ihren Aufgaben zum Schutz der Arbeitnehmer nachkommen.

Günter Schneider, Landesgeschäftsführer für politische und soziale Bildung, unterstrich die Gefahr, dass Menschen sich am Arbeitsplatz ausbeuten oder ausgebeutet werden: „Die Statistik der Rentenversicherer zeigt, dass die psychischen Erkrankungen der Arbeitnehmer in den letzten 20 Jahren vom achten Platz auf den ersten Platz gestiegen sind.“

Trotzdem werde das Thema „Burnout“ noch immer stiefmütterlich behandelt und auch tabuisiert. Wer mit einer Grippe fehle, brauche sich nicht zu schämen, wer ausgebrannt fehlt, möchte nicht darauf angesprochen werden.

Herausforderungen für die Politik

Woran liegt die Überforderung in Zeiten großer gewerkschaftlicher Errungenschaften und hohen Arbeitsschutzes? Für Jutta Reiter ist klar: „Wo Arbeitsplätze abgebaut werden, steigt bei den Verbliebenen die Arbeitsbelastung und der Druck: Wielange bleibe ich noch?“ Das berufliche Umfeld bestimme die Lage der Beschäftigten.

Betroffen seien alle Branchen - vor allem in der Dienstleistung werde aber bis zur psychischen Erschöpfung gearbeitet. Reiter zählte auf: Leiharbeit, Werkverträge, geringfügig Beschäftigung, Mindestlohn - „das sind die Herausforderungen“. Herausforderungen, denen sich die Politik verstärkt annehmen müsse. Aber auch die Betriebsräte, die noch professioneller werden müssten.

Eine Gelegenheit dazu war die Tagung. Es handelte sich dabei übrigens um die zweite Auflage einer völlig überbuchten Erstveranstaltung im November - insgesamt wurden 300 Vertrauensleute erreicht.

 
 

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