Windgas - alles andere als heiße Luft

Klaus Buske
Greenpeace Graphik zum Thema : Mit Windgas in den Atomausstieg
Greenpeace Graphik zum Thema : Mit Windgas in den Atomausstieg
Foto: Greenpeace/Carsten Raffel
„Es ist gar kein Problem. Sie können Windenergie umwandeln in Gas und das Ganze speichern,“ unterstreicht Dr. Wandulf Kaufmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dortmunder Thyssengas GmbH.

Dortmund.  „Es ist gar kein Problem. Sie können Windenergie umwandeln in Gas und das Ganze speichern,“ unterstreicht Dr. Wandulf Kaufmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dortmunder Thyssengas GmbH. Das, was die Aktivisten von Greenpeace ankündigen - nämlich ab Oktober 2011 „Windgas“ zu verkaufen - sei keine Utopie, so der Energiemanager, der seit April die Geschicke des Gasnetzbetreibers Thyssengas führt.

„Der Paradigmenwechsel in der deutschen Energiepolitik könnte für mehr Umsatz bei Thyssengas führen.“ Die Gasnetz-Gesellschaft, war einst die RWE Tochter Transportnetz Gas und gehört jetzt der Macquarie-Gruppe (die WAZ berichtete). Thyssengas ist Dienstleister mit rund 300 Voll- und Teilzeitstellen, mit Gasspeichern und einem großvolumigen Gasnetz von über 4000 Kilometern. Im Thyssengas-Netz ließe sich problemlos auch „Windgas“ speichern und befördern.

„Windgas“ ist keine neue Erfindung. Das Erzeugungsverfahren: Per Elektrolyse wird durch den Einsatz von Wasser und Windstrom Wasserstoff (Gas) erzeugt. Wenn man Kohlendioxid zufügt, wird durch Methanisierung Metangas erzeugt. Zu 100 Prozent kann Metan ins Netz eingespeist werden, Wasserstoff kann als fünf Prozent Anteil ins Netz eingespeist werden.

Es gibt Vor- und Nachteile für das Verfahren. Vorteile: Für den „Windgas“-Transport benötigt man prinzipiell keine neue Netzinfrastruktur; so entfallen zeit- und kostenintensive Investitionen. Weiterer Vorteil: Die Windenergie, die heute verschenkt wird oder ungenutzt bleiben muss, damit das Stromnetz nicht kollabiert, kann zum Nutzen der Erzeuger vermarktet werden. Windräder müssten nicht mehr abgeschaltet werden, wenn’s richtig stürmt und das Netz überzulaufen droht. Nachteil: Durch das Umwandeln von Wind entstehen Energieverluste. Außerdem muss für die Elektrolyse investiert werden.

Auch Uhde ist aktiv

Auf einen zweiten Schub für wachsende Geschäfte rechnet Kaufmann durch die Errichtung neuer Gaskraftwerke. Auch Stadtwerke-Verbünde planten jetzt (wieder) neue bzw. größere Anlagen, zum Beispiel suche die Rheinenergie (Köln) gerade Partner, um ein Gaskraftwerk größer zu bauen als bislang geplant ist.

Auch ein zweites Dortmunder Unternehmen, die Uhde GmbH, begreift ein Umsteuern bei der Energieerzeugung als Chance. Mitte April unterzeichnete Dr. Heinrich Hiesinger, Uhde-Vorstandschef, mit der KEPCO, größter Energieversorger Südkoreas, ein Joint Venture zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kohlevergasung. 34 Prozent Anteil hält Uhde an der KEPCO-Uhde Inc., die plant, weltweit Kombikraftwerke mit integrierter Vergasung und Anlagen zur Herstellung synthetischen Erdgases (SNG) zu bauen. In den neuen Kombikraftwerken soll Kohle unter hoher Temperatur und Druck vergast werden - bei erheblich reduzierten Emissionen von Stickstoff, Schwefel- und Kohlendioxid.