Wie kam das Dortmunder Bier zum U-Turm?

Die Union-Brauerei - um 1956. Reproduktion: Westfälisches Wirtschaftsarchiv/Franz Luthe
Die Union-Brauerei - um 1956. Reproduktion: Westfälisches Wirtschaftsarchiv/Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Bier ist manchen das feinste Gesöff überhaupt. Dortmund aber war nicht nur einst die Bierhauptstadt – sondern konnte auch noch mit einem ganz besonderen Bierbau punkten: dem Dortmunder U. Ausgerechnet in einem Kellerhochhaus hat die Union Brauerei ihrem Bier den letzten Schliff gegeben. „Das hat in Europa Maßstäbe gesetzt“, sagt Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Direktor des Westfälischen Wirtschaftsarchivs.

Eng, vielleicht zu eng. Wer einen Blick auf den Lageplan der Dortmunder Union-Brauerei von 1926 wirft, kann angesichts der dicht bebauten Fläche im Nachhinein nur den Hut vor dem Architekten Emil Moog ziehen: Gerade einmal 1975 Quadratmeter Grundfläche blieben blieben ihm für das Gär- und Kellerhochhaus – erhöht um den Schwierigkeitsgrad, dass der Neubau auf einem Labyrinth unterirdischer Lagerkeller aufsetzen musste. „Der Platz war auch der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung, in die Höhe zu bauen“, sagt Ellerbrock. „Das Areal war einfach total voll.“

Aus dieser Not vollbrachte Moog mit dem Hochhaus nach Ellerbrocks Einschätzung eine „Pionierleistung“, die später zahlreiche Nachahmer fand. „Es ist ‚Hochhaus‘ genannt, weil sämtliche Betriebsräume mehr als 7 m bis zu einer Gesamthöhe von 65 m über dem Brauereihof liegen und weil die Konstruktionshöhe des Bauwerks 74,9 m beträgt“, heißt es in der Baubeschreibung, die Ellerbrock in seinem Buch „Das Dortmunder U“ zitiert.

Jenseits des Platzmangels folgt der Turm jedoch auch einer zwingenden, internen Logik: Er bildet im Grunde den Weg des Bieres ab. „Das ist eine ganz funktionale Angelegenheit“, erklärt Ellerbrock. Der Sud für den goldenen Saft wurde allerdings nicht im U, sondern direkt nebenan im Sudhaus angesetzt. Von dort pumpte man die Flüssigkeit hoch in den Turm. Die 21,5 Meter hohe Kathedrale diente als Kühlschiff und wurde durch Jalousien belüftet. In der 6. Etage warteten sechs kupferne Kühlapparate mit einer Leistung von je 90 hl – auch die Kühlung der Gär- und Hopfenlagerräume wurde von hier geregelt. „Das ganze Haus war so gut gekühlt, dass es im Grunde ein riesiger Kühlschrank war“, so Ellerbrock. Würze- und Biermengen, Anstellbottiche und ein riesiger Hopfenlagerraum fanden auf der 5. Platz. Auf der 4. Etage wurde es dann alkoholisch – dank der Hefe, die man hier hinzufügte: In satten 77 Gärbecken konnten gut 23 000 Hektoliter schwappen. Die untersten drei Geschosse schließlich waren allein zur Lagerung da. „Man spricht ja auch von Lagerbier“, so Ellerbrock.

Kurzum: Das Getränk floss nur so von oben bis unten und war dann – gluck gluck gluck, – nachdem es noch gefiltert und abgefüllt wurde, fertig zum Genuss.

 
 

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