Wie die Caritas Bulgaren und Rumänen in der Nordstadt Dortmund integrieren will

Frank Merkel, Caritas Dortmund. WR-Foto: Ralf Rottmann
Frank Merkel, Caritas Dortmund. WR-Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Dortmund. Kriminalität, Prostitution, Müll und Dreck – damit werden die Bulgaren und Rumänen in Dortmund in Verbindung gebracht. Vor allem die große Gruppe der Bulgaren aus dem Ghetto Stolipinovo in Plovdiv.

Die Aggressivität gegenüber dieser Gruppe nimmt zu, das hat auch die Caritas festgestellt. Der Wohlfahrtsverband hat die Zuzügler seit 2008 besonders im Blick – mit dem Versuch, die Menschen zu integrieren.

Frank Merkel betreut das Projekt, das sich mit der Frage auseinandersetzt, inwieweit Schwierigkeiten und Vorbehalte auf beiden Seiten abgebaut werden können. „Ohne Sozialromantik“, betont er. Denn auch wenn schnell klar geworden sei, dass echte Integration sehr schwierig ist – Tatsache ist, dass die Menschen hier sind und ein Weg gefunden werden muss, damit umzugehen.

1335 Bulgaren
offiziell gemeldet

Merkel sammelt seit 2008 Informationen über die Bulgaren und Rumänen in Dortmund – seit klar ist, dass immer mehr Menschen aus diesen Ländern zuwandern. Laut Melderegister der Stadt stieg allein die Zahl der offiziell gemeldeten Bulgaren von 309 Ende 2006, auf 970 Ende 2007 – Ende 2010 sind es 1335, plus 925 Menschen aus Rumänien – beide Länder gehören seit 2007 zur EU. „Natürlich gibt es darüber hinaus noch deutlich mehr, die sich nicht anmelden“, sagt Merkel.

Gemeinsam mit einer türkisch sprechenden Honorarkraft ging Merkel in die Cafés in die Nordstadt. Fand dort vorwiegend Männer vor. Schnell war klar: Die größte Gruppe sind die Menschen aus Stolipinovo, die Xoraxane-Roma, türkisch sprechende Muslime. Um mehr über deren Herkunft zu erfahren, setzte sich Merkel außerdem mit einem Verein in Bayern in Verbindung, der sich diesem Stadtteil widmet. Dort wurde ihm bestätigt: Die Stadt Dortmund ist in Stolipinovo ein großes Thema.

Für Frank Merkel ist eines der größten Probleme, dass die Menschen aus diesen Ländern kaum Möglichkeiten haben, Geld mittels Arbeit zu verdienen. Zwar können sie ohne Visum nach Deutschland reisen, dürfen aber hier nur selbstständig tätig sein. Da es Menschen ohne Berufsausbildung sind, zum großen Teil sogar Analphabeten, gebe es für sie kaum eine Perspektive – außer der Prostitution nachzugehen, sich auf dem Schwarzarbeiterstrich anzubieten oder eben kriminell zu werden. Auf seine Fragen, was sich die Männer in den Cafés wünschten, gab es fast immer nur eine Antwort: Geld für die Familie.

Mit Schulen und
Kindergärten arbeiten

Der Weg zur Integration sei schwierig. Von dem anfänglichen „ambitionierten“ Wort „Integration“ ist Merkel mittlerweile abgerückt. Die „Schaffung und Stärkung von Akzeptanz“ der Zuzügler aus Bulgarien und Rumänien – so ist die Fortsetzung seines Projektes für 2011 überschrieben. Bei dieser Gruppe stünde die Existenznot so weit im Vordergrund, dass an eine Annäherung an die deutsche Kultur nicht zu denken sei. „Außerdem ist es schwierig, mit einer Gruppe zu arbeiten, die immer wechselt“, meint Merkel. Die meisten blieben nur ein paar Monate – im Café sah er dann wieder ganz neue Gesichter. Dann immer wieder Vertrauen aufzubauen, sei sehr schwer möglich.

Trotzdem will Merkel nicht aufgeben. In diesem Jahr will er verstärkt mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten, die immer mehr bulgarische und rumänische Kinder aufnehmen. Außerdem plant Merkel eine Kooperation mit Akteuren aus Stolipinovo. „Ich sehe keinen anderen Weg, als zu versuchen, sich den Menschen anzunähern“, sagt Merkel.

 
 

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