Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird "jugendlicher"

Dennis Betzholz
Viele junge Gegendemonstranten formierten sich bei Sitzblockaden zwecks Protestes gegen Rechtsradikalismus. Zugleich waren viele Gewaltbereite aus dem linken Lager ebenfalls sehr jung. Foto: WAZ FotoPool
Viele junge Gegendemonstranten formierten sich bei Sitzblockaden zwecks Protestes gegen Rechtsradikalismus. Zugleich waren viele Gewaltbereite aus dem linken Lager ebenfalls sehr jung. Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Es war sein erstes Mal – und es war schneller vorbei, als es ihm lieb war. „Ein Anfängerfehler“, seufzt Sam Baron. Er wollte Flagge zeigen. Wutbürger sein. „Den Nazis klarmachen, dass sie hier nichts zu suchen haben“, wie er selbst sagt. Doch er kam zu spät – und musste sich mit den letzten 200 Metern des Protestzuges zufrieden geben.

Sam Baron, 16 Jahre, aus Herne ist Demo-Neuling. Einer, das fällt ins Auge, von vielen an diesem Samstag in Dortmund. Der Widerstand gegen Rechts wird jünger. Trotz Freibadwetters.

Sam ist ein intelligenter junger Mann. Kein Randalierer, keiner dieser vermummten Jugendlichen, die kurz zuvor Steine auf Polizisten warfen. „Ich renn’ da nicht rein wie ein Blöder“, sagt der Elftklässler, „aber auch nicht weg.“ Bei seinen Schulkollegen vermisst er diese Haltung. Manchmal vermisst er sogar überhaupt eine. „Manche finden es lustig, Hitler-Witze zu machen“, sagt er kopfschüttelnd und fügt hinzu: „Es ist schade, dass Politik uncool geworden ist.“ Schuld sei aus seiner Sicht: die Politik selbst. Sie stelle sich einfach zu langweilig dar.

In Dortmund wird sie indessen greifbar: Polizisten in Sturmmasken, positionierte Wasserwerfer und Panzerfahrzeuge – „das schüchtert ein, das ist bedrohlich“, sagt Sam. Fasziniert ist er jedoch vielmehr vom Wir-Gefühl bei seiner Demo-Premiere: „Man hat eine Meinung und propagiert diese. Erst gedämpft, dann immer lauter. Es hat mich sehr überrascht wie stark so eine Gemeinschaft werden kann.“ Und diese ist groß: 10 000 Bürger sind im Namen der Demokratie auf den Straßen unterwegs.

„Zwei mehr ist am Ende besser als zwei zu wenig“, erklärt Sam, warum er erst am Tag zuvor mit seinem Kumpel entschieden hatte, nach Dortmund zu fahren. Sein Kumpel, 14, will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er sei nämlich in Essen shoppen, flunkerte er daheim. Die Sorge der Eltern, dass ihm bei der Demo etwas zustoßen könnte, war schlicht größer als das Wissen um die Richtigkeit seines Vorhabens. „Meine Eltern meinten, sie hätten auch demonstriert. Sie konnten es mir also gar nicht verbieten“, sagt Sam.

Sein Fazit: „Es war richtig, hierher zu kommen.“ Er wird deshalb wiederkommen. Dann auch pünktlich.