Weniger Unfälle durch weniger Tempo

Geschwindigkeitskontrolle an der Kuithanstraße im Rahmen des Blitz Marathons
Geschwindigkeitskontrolle an der Kuithanstraße im Rahmen des Blitz Marathons
Foto: Knut Vahlensieck
Dortmund. Die Dortmunder Polizei hat gestern bei einem „Blitz-Marathon“ bis mittags knapp 1000 Autofahrer im Präsidialbereich Dortmund angehalten, die zu schnell unterwegs waren. Das Ordnungsamt außerdem über 200.

Dortmund. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Schon zwei Stunden vor Beginn des offiziellen „Blitz-Marathons“ schnappte die Polizei gestern einen Raser auf der B 236n, der um 4 Uhr mit 145 Stundenkilometern bei erlaubten 80 unterwegs war. Zwei Monate Führerschein-Entzug, vier Punkte und 440 Euro waren die Quittung.

Polizistin Laura Kappel, im Bezirk Mitte zuständig für einen Unterabschnitt, packt an diesem Tag zum drittenmal ihr Stativ aus, legt den Akku darunter und fixiert die Laserpistole obendrauf. Tempo 30 heißt es in der Kuithanstraße wegen der angrenzenden Schule. Dann misst sie die erforderliche 30 Meter Entfernung und die 135 Meter für die Visiereinrichtung. Los geht’s. Gleich die erste Fahrerin, die kommt, hat 47 km/h drauf. Kollege Niklas Gohlke läuft mit der roten Kelle auf die Straße und stoppt die Dame, die ihren stürmischen Hund zurückhält und gleich aussteigt.

Nach Abzug der Toleranz ist die Dortmunderin mit 25 Euro dabei.

Discount-Preise

„Im internationalen Vergleich sind das Discount-Preise“, kommentiert Günther Overbeck, Leiter der Direktion Verkehr im Präsidialbereich. „Entweder Sie kontrollieren häufig die Geschwindigkeit oder Sie erheben hohe Bußen“, erläutert er. In Holland würden Autofahrer bei drei km/h Tempo-Überschreitung mit 30 Euro zur Kasse gebeten. „Wir wollen in die Köpfe der Verkehrsteilnehmer reinbekommen, dass man nicht nur während dieser 24 Stunden mit einer Tempokontrolle rechnen muss, sondern jederzeit“, sagt Overbeck.

Dann erklärt der Polizei-Chef, woran ihm gelegen ist. „Wir wollen die Zahl der Verkehrstoten und der Schwerletzten senken“, so Overbeck. Dann die wesentliche Botschaft: „Schon zwei km/h weniger bedeuten 15 Prozent weniger Verletzte.“ Dafür lohne sich der immense Aufwand der Kontrollen schon. Gerade die Zahlen der Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern waren im letzten Jahr stark gestiegen. Diese Gruppe erleide beim Zusammenprall mit Autos Verletzungen, die oft eine andere Lebensqualität und Lebensplanung nach sich zieht, weiß Overbeck.

[kein Linktext vorhanden]Der Unterschied zwischen Tempo 30 und 50 könne durchaus lebensrettend sein. In diesem Jahr sähen die Unfallzahlen in Dortmund aber besser aus. Der Polizeidirektor führt das auch auf die regelmäßigen Kontrollen zurück

Tempo sinkt nach Messaktionen

Immer nach größeren Messaktionen sinkt die Höhe der Tempo-Überschreitungen. Wird länger nicht intensiv geprüft, sinke auch die Disziplin wieder. Dann müsse sich die Polizei eben wieder durch Kontrollen ins Gedächtnis der Autofahrer zurückbringen.

Polizistin Laura Kappel hat an der Kuithanstraße nicht allzu viel zu tun. Die Kollegen vom Zoll, die mit ihrem grünen Bully nicht im Einsatz sind, haben Glück. Mit 37 fahren sie, freundlich winkend, an der Kontrollstelle vorbei. Nach Abzug von 3 km/h Toleranz bleiben sie unter der 35 km/h-Marke, ab der Bußgeld kassiert wird. Die zu schnelle Fahrerin hat 25 Euro bezahlt und steigt scherzend in ihren Wagen. Nein, ein Tagesticket hat sie nicht erworben. An der nächsten Ecke muss sie schon wieder aufpassen. Auch heute übrigens.

 
 

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