Weniger Polizei, aber Turbo-Strafverfahren bei BVB-Spielen

Peter Bandermann
Beim Bundesliga-Schlager zwischen Borussia Dortmund gegen Schalke 04 sicherte die Polizei mit einem Großaufgebot das Revierderby und trennte erfolgreich beide Fanlager voneinander. Es blieb weitestgehend friedlich.
Beim Bundesliga-Schlager zwischen Borussia Dortmund gegen Schalke 04 sicherte die Polizei mit einem Großaufgebot das Revierderby und trennte erfolgreich beide Fanlager voneinander. Es blieb weitestgehend friedlich.
Foto: Ralf Rottmann
Polizeipräsident Gregor Lange will die Justiz für beschleunigte Strafverfahren gegen Gewalttäter unter Fußballfans gewinnen und den Sicherheits-Erfolg beim Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke im März 2014 dauerhaft absichern. Der Behörden-Chef verfolgt damit ein weiteres Ziel.

Dortmund. Weniger Polizei, schnellere Verfahren — Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange will ein neues Konzept für Fußballeinsätze umsetzen. "Die Polizei begleitet Fußballspiele mit einem sehr hohen Personaleinsatz. Diese hohen Zahlen müssen wir runter fahren. In den Stadien nehmen wir keine ureigenen Aufgaben wahr", sagt Lange im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei deutlich weniger Straftaten im Bereich Fußball kann die Polizei ihre Personalstärke dort reduzieren und die Kapazitäten in anderen wichtigen Bereichen einsetzen.

Als Nachfolger von Norbert Wesseler ist der Jurist seit März 2014 Polizeipräsident in Dortmund. In einer ersten Bilanz sagte Lange, dass er Borussia Dortmund davon überzeugen wolle, im eigenen Stadion mehr Verantwortung zu übernehmen. Einbeziehen will die Polizei auch die Stadionbesucher: "Durch Kontakte zur Fanszene wollen wir mit friedlichen Fans gemeinsame Sache machen", sagte Lange.

Fußball-Allianz mit der BVB und Justiz am 2. Juli 2014

Am 2. Juli 2014 spricht der Polizeipräsident mit Staatsanwaltschaft, Amtsgericht und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, um seinen Plan für beschleunigte Strafverfahren umzusetzen. Dabei arbeiten Polizei und Justiz bereits in Tatort-Nähe eng zusammen, um Straftäter schnellstmöglich zu verurteilen. Jugendliche sind von diesem Verfahren ausgenommen. Um beschleunigte Verfahren einleiten zu können, muss die Polizei stichhaltige Beweise liefern.

Seit Gregor Langes Amtsantritt im März 2014 verfolgt die Polizei die Straftaten im Bereichen Fußball mit dem "Intensivtäterkonzept Sport". Lange: "Diejenigen, die häufiger mit Gewalttaten in Erscheinung treten, wollen wir in ihrer Rolle als Rädelsführer in den Blick nehmen. Wir wollen die Führungsfiguren stärker unter Kontrolle bekommen. Szenen wie beim Derby im Oktober 2012 in Dortmund oder ein Jahr später auf Schalke will die Polizei auf Dauer verhindern. "Ein friedliches Derby wie im März 2014 muss Standard werden", so Lange.

Personalkapazitäten in andere wichtige Bereiche verlagern

Für den Derby-Erfolg habe die Polizei mit viel Personal einen hohen Preis zahlen müssen. Diese Ressourcen will Lange in andere wichtige Aufgabengebiete der Polizei verlagern, um stärker gegen Einbrecher und Raubstraftäter vorgehen und um mehr Präsenz in den Stadtteilen zeigen zu können.