Welche Wirklichkeit zeigt der Tatort?

Frank Bußmann
Foto: WDR/action,Ecken/Renate Neder/De

Dortmund. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Eine Frage, an deren Beantwortung sich schon Massen von Philosophen die Zähne ausgebissen haben.

Es ist nicht zu erwarten, dass Fernseh-Deutschland in dieser Frage grundsätzlich klarer sieht, wenn die erste Tatort-Folge zu bester Sendezeit am Sonntagabend ein Schlaglicht auf Realitäten in Dortmund wirft.

So mancher Stadtwerber mag es ja für einen großen Wurf halten, wenn der neue Kommissar Faber in der Revierstadt ermittelt. Allzu große Hoffnungen auf ein generell positives Marketing sollte man sich aber nicht machen. Denn „Tatort“-Realitäten sind Kintopp-Realitäten. Denn so wenig bei Duisburger Kommissaren in den 80er-Jahren das S-Wort zum Alltag gehörte wie bei „Schimanski“, ist es mitnichten immer beschaulich rund um den Aasee, wie in jenen Tatort-Folgen, in denen Kommissar Thiel und Rechtsmediziner Börne sich durchs Münsterland kalauern.

Zumal: Die meisten „Tatort-Folgen“ leben außer von der Qualität ihres Drehbuchs vor allem von ihrem Ermittlerteam. Dort muss es stimmen. Dort wird die Handlung vorangetrieben. Mundart, Orte, Farbe der Region sind dann ordentliches Beiwerk und Ausdruck der großen Senderfamilie der ARD, aber letztlich eher zweitrangig. Sind die Kommissare in Ordnung, blicken wir Westfalen auch gerne nach München. Oder?