Weitere Verlängerung für Envio-Prozess?

Der Envio-Prozess steht möglicherweise noch einmal vor einer deutlichen Verlängerung. In dieser Woche will die 35. Strafkammer des Landgerichts eine Entscheidung darüber bekannt geben, ob der angedachte Urteilstermin Anfang Dezember gehalten werden kann. Für die ständige Verlängerung gibt es einen guten Grund.

Dortmund. Allgemein wird nicht mehr damit gerechnet, dass der Urteilstermin Anfang Dezember noch gehalten werden kann. Grund ist das Gutachten, das der Berliner Umweltbiologe Prof. Wolfgang Rotard kürzlich erstattet hat. Beteiligte Anwälte halten die Expertise, auf die sie monatelang warten mussten, für wenig aussagekräftig.

Vor allem aber hätten Rotards Ausführungen neue Fragen aufgeworfen, denen nun nachgegangen werden müsse. Am Ende des Prozesses könnte nun nämlich sogar ein Freispruch für die beiden verbliebenen Angeklagten stehen.

Prozess läuft seit Mai 2012

Der Envio-Prozess beschäftigt das Landgericht bereits seit Mai 2012. Eines der grundsätzlichen Probleme bei der Wahrheitsfindung ist der Umstand, dass gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gefährlichkeit des Umweltgiftes PCB eigentlich gar nicht existieren. Schon mehrmals hatten Beteiligte bemängelt, dass sie während eines laufenden Strafverfahrens gleichzeitig wissenschaftliche Pionierarbeit leisten müssten.

Sollten die Richter in dieser Woche entscheiden, die Beweisaufnahme mit der Vernehmung neuer Zeugen fortzusetzen, wäre ein mögliches Urteil einmal mehr in weite Ferne gerückt.

Martin Braunschweig