Watzke räumt nach Tumulten Fehler beim Ticket-Verkauf ein

Stefan Reinke und Frank Meßing
Am Alten Markt drängelten einige Fans. Die Polizei musste eingreifen.
Am Alten Markt drängelten einige Fans. Die Polizei musste eingreifen.
Foto: Stefan Reinke
Strahlende Gesichter bei BVB-Fans: Nach zwei Nächten Wartezeit halten seit 9 Uhr die ersten Fans ihre Tickets fürs Halbfinale gegen Real Madrid in den Händen. Am frühen Morgen war es allerdings zu Tumulten mit Dränglern gekommen — die Polizei schritt ein. Gegen 10.40 Waren die Tickets an allen Vorverkaufsstellen ausverkauft.

Dortmund. "Ich habe sie!", jubelt Daniel Schrader. Er hat es geschafft, seit Sonntagnachmittag, 17 Uhr, wartete er mit ein paar Freunden an der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund am Rheinlanddamm. Am Ende hielt er zwei Tickets für das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid in der Hand.

Um 8.30 Uhr der erste große Moment: Die Tür zur Geschäftsstelle wurde geöffnet, das erste Grüppchen von zehn Fans eingelassen. Doch statt des großen Jubels, erst einmal Ernüchterung - Systemausfall. Eine halbe Stunde lang ging gar nichts in den Vorverkaufsstellen des BVB. Offenbar ein Problem mit dem Ticket-Dienstleister. Denn immerhin begann um 8.30 Uhr nicht nur der Kartenverkauf in den Shops, sondern auch an der Telefon-Hotline und beim Online-Shop.

Um Punkt 9 Uhr war es aber endlich soweit: Schrader hatte seine Karten. "Man fühlt und lebt für seinen Verein", erklärt er die tagelange Wartezeit. "Wir schaffen es ins Finale und spielen da gegen Barca", legt sich der Niedersachse fest.

Tumulte in der Warteschlange

Hans-Joachim Watkze hat nach den Tumulten in Dortmund Fehler beim Ticketverkauf für das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Real Madrid eingeräumt. "Wir haben den unfassbaren Ansturm unterschätzt. Das müssen wir uns auf die Fahnen schreiben", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Künftig werde der Verein "bei solchen Spielen keinen freien Vorverkauf mehr anbieten", betonte Watzke. "Wir werden unsere Lehren daraus ziehen. Diese Maßnahme wird uns insbesondere dabei helfen, noch effektiver den Schwarzmarkthandel zu bekämpfen."

Am frühen Morgen hatte es Unruhe in der Warteschlange gegeben. Die Polizei berichtete am Dienstagmorgen von "tumultartigen Zuständen" an den Vorverkaufsstellen. Unter anderem hatte an der Geschäftsstelle eine Gruppe am frühen Morgen versucht, sich an der Schlange vorbei zu mogeln. Die bereits seit vielen Stunden wartenden Fans verjagten die Neuankömmlinge.

Menschentraube vor dem Fan-Shop am Alten Markt

Da an einigen Vorverkaufsstellen kein Sicherheitsdienst eingesetzt sei, hätten die Beamten seit Mitternacht immer wieder einschreiten müssen. Auch die Bereitschafts-Polizei sei eingesetzt worden. Die Bilanz der Polizei: eine Ingewahrsamnahme, zwei Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Eine der Stellen, an denen es nicht so geordnet ablief wie an der Geschäftsstelle, war der Alte Markt, wo sich vor dem Fan-Shop eine Menschentraube gebildet hatte. "Ich habe das so noch nie erlebt", sagt Patrizia Pyka. "Wir haben Glück gehabt, dass wir vorne rausgezogen wurden und in den Shop durften", so die glückliche Kartenbesitzerin.

Fünf bis zehn Leute wurden immer stoßweise durch einen Seiteneingang in den Laden gelassen. Ihre Freundin Nina Braun stand seit 3 Uhr nachts vor dem Shop am Alten Markt. "Ich habe gedacht, nach 27 Jahren Südtribüne hätte ich alles schon erlebt. Aber was hier abgegangen ist, war sehr unheimlich", klagt sie. Es sei traurig, dass bei vielen Leuten schnell die Aggressionen hochkochten. "Es wäre schöner gewesen, wenn alle etwas entspannter gewesen wären und sich einfach aufs Halbfinale gefreut hätten", so Braun.

500 Euro für "Platzkarte" in der Schlange

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, verteilte der BVB vor der Geschäftsstelle am Rheinlanddamm rund 1000 Platzkarten, um die Fans grüppchenweise eintreten zu lassen. Heißt im Klartext: 2000 Tickets standen hier zum Verkauf. "Heute früh standen die Fans bis zum Steigenberger Hotel", sagt der Fanbeauftragte Sebastian Walleit. Nach Verteilung der Platzkarten sei der Rest der Fans nach Hause geschickt worden. "Viele sind schon freiwillig umgekehrt, als sie gesehen haben, dass sie bestimmt leer ausgehen werden", so Walleit.

Erschreckend: Einige derer, die am Ende der Schlange keine Platzkarte mehr bekommen hatten, boten den Wartenden sogar bis zu 500 Euro für ihr Ticket zum Ticket.

Chaos vor dem Fan-Shop am Alten Markt

Platzkarten gab es am Fan-Shop auf dem Alten Markt nicht. Dementsprechend angespannt war die Stimmung — auch noch am Vormittag. Etwa zehn Polizisten standen bereit. Statt einer geordneten Schlange standen die Fans hier in einer Traube vor der Tür. Aber die Tür blieb verschlossen: Wer ein Ticket kaufen wollte, wurde in Gruppen durch einen Nebeneingang in der Passage geleitet. Gegen 10.40 Uhr waren alle Tickets weg — rund 200 Fans gingen leer aus. (Mit Material von dpa)