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Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt

04.05.2011 | 09:57 Uhr
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
Kein Meisterbonus: Während der BVB auf Höhenflug ist, verliert die Aktie von Borussia Dortmund wieder an Wert. (Foto: dapd)

Dortmund.   Mit dem vorzeitigen Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft hat der BVB die Tür zum Millionen-Geschäft in der Champions League aufgestoßen. Viele Inhaber der BVB-Aktie setzen jedoch lieber darauf, ihre Aktien abzustoßen. Für die Börse kein Wunder.

„Sell on good news“, sagen Börsianer zu dem Szenario, wie es sich seit dem vorzeitigen Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft von Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende an der Börse ereignet: Der BVB, als einziger der 18 Bundesligisten an der Börse notiert, freut sich über die Aussichten auf Millionen-Einnahmen in der nächsten Champions League-Saison. Manche Aktien-Spekulanten lassen aber lieber schon jetzt die Euros in der Kasse klingeln – und verkaufen ihre Aktien der „Borussia Dortmund GmbH & Co. KGAA“.

Für Sebastian Hein, Aktienanalyst des Düsseldorfer Privatbankhauses Lampe, ist diese Reaktion nicht ungewöhnlich. „Der BVB ist kein ‚normales’ Unternehmen“, sagt der 34-Jährige, der die Entwicklung der BVB-Aktie seit Jahren verfolgt. Die Papiere von Borussia Dortmund „sind etwas für Liebhaber“. Oder für Spekulanten, die den schnellen Gewinn einstreichen wollen. Wenn sich mit dieser Aktie denn mal Gewinn machen lässt.

Das war jetzt möglich, denn der Aktien-Wert der BVB-Papier hat sich seit Saisonstart fast verdreifacht. Zuletzt lag der Kurs bei 2,68 Euro, am Montag bei Börsenschluss noch bei 3,10 Euro, im vergangene November sogar knapp unter 3,50 Euro. Im Juli 2009 war an einen Höhenflug dagegen nicht zu denken. Damals wurden die Aktien für 84 Cent gehandelt.

Wer bereits am 30. Oktober 2000 auf schwarz-gelbe Höhenflüge spekulierte, muss das Ganze aber nach wie vor als Verlustgeschäft verbuchen: 10.40 Euro kostete die BVB-Aktie am Tag der Erstausgabe, ein Wert, der seitdem nicht mehr annähernd erreicht wurde, zumal der BVB 2004 kurz vor der Insolvenz stand.

Aktienkurs steht und fällt mit jedem Spieltag

Eine Investition in den BVB sollte man sich deshalb gut überlegen, sagt Sebastian Hein. Bei seiner letzten Bewertung im vergangenen Herbst empfahl Hein den Aktionären „Halten“. Eine aktuelle Bewertung solle in Kürze erfolgen. Für Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ist die BVB-Aktie zwar seriös („Der Verein macht wirtschaftlich hervorragende Arbeit“), aber nichts, auf das man seine Altersvorsorge aufbauen sollte. „Der Aktienkurs steht und fällt mit jedem Spieltag“, sagt Cabras. Normalerweise bildet ein Aktienkurs die Spekulation auf die nächsten sechs Monate eines Unternehmens ab.

Entscheidend für die Kursentwicklung in den nächsten Monaten ist für Sebastian Hein besonders der ‚Klopp-Faktor’: „Trainer Jürgen Klopp verkörpert das Geschäftsmodell, mit jungen, vergleichsweise günstigen Spielern, das Team aufzubauen. Klopp übt eine große Anziehungskraft auf junge Spieler aus.“ Die weitere Perspektive sei beim Blick auf den Aktienkurs allerdings ein Spagat, meint Hein: „Dortmund sollte seinem Geschäftsmodell treu bleiben, sollte aber auch den Kader verbreitern. Dazu würde auch gehören, mittelfristig ein oder zwei namhafte Spieler zu integrieren.“ Was für die Aktie spricht: Der Wert der Spieler ist gestiegen.

Der BVB ist an der Börse derzeit 165 Millionen Euro wert

Ob dem sportlichen Höhenflug auch ein weiterer an der Börse folgt, ist kaum vorauszusehen, meint Hein: „Die entscheidenden Fragen für die Entwicklung der BVB-Aktie sind: wird sich der Verein im obereren Bereich der Bundesliga festsetzen; spielt der BVB in den nächsten Jahren regelmäßig um die Meisterschaft mit; können sie sich in der Champions-League bewähren“.

Gut täte es der Aktie auch, wenn sich auch Anleger finden, die das Papier mit einem strategischen Interesse erwerben, etwa ein Trikot-Sponsor, meint Hein. „Das würde sicherlich stabilisierend auf die Aktie wirken.“

61,425 Millionen BVB-Aktien sind im Umlauf. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von derzeit etwa 165 Millionen Euro - eine Größenordnung, die „für kleinere Fonds oder einen Hedgefonds interessant sein könnte“, meint Marco Cabras. Der BVB in der Hand professioneller Investoren? Für Cabras ist das kaum vorstellbar. Ein Einstieg wäre hoch spekulativ. Cabras: „Der sportliche Erfolg des BVB ist schlecht prognostizierbar“. Sollte das Team etwa bereits in der ersten Runde der kommenden Champions-League-Saison scheitern, zeigt sich die Enttäuschung darüber nicht nur in der Stadion-Süd- sondern auch an der Kurskurve.

Dagobert Ernst


Kommentare
18.05.2011
12:38
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
von dieterr | #5

Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt...
Ich weis es, weil die Aktionäre mehr Verstand haben als die Fans. Ich würde doch auch keine Aktie kaufen wenn man nicht weis wo man nächtes Jahr steht. S04 ein Leben lang, Glückauf

04.05.2011
21:32
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
von vaikl | #4

@ #3

Wenn der Herr Ernst das so schreibt, dann haben wir auch eine. Schließlich fordern DJV und ver.di ja nicht umsonst 4 Prozent mehr für Qualitätsjournalismus.

04.05.2011
20:28
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
von BornInCastrop | #3

zeigt sich die Enttäuschung darüber nicht nur in der Stadion-Süd- sondern auch an der Kurskurve.

Der Bestand einer Süd-Kurve wäre mir beim BVB neu !?!!

04.05.2011
11:13
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
von ppaula | #2

Genau an #1 - GAZPROM heißt ins Deutsche übersetzt nämlich 42.

04.05.2011
10:58
Warum der BVB-Höhenflug Aktionäre kalt lässt
von ZEITDIMENSION | #1

Weil Gazprom versucht alle aktien zu erwerben.

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