War der Bunker an der Westfalenhalle wirklich ein Hotel?

Foto: Helmuth Vossgraff
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Foto: WAZ
In einem Internetforum fand unsere Leserin auf die Information, dass in der Nähe der Westfalenhallen ein Hotelbunker existiert haben muss. Und tatsächlich: Dort gibt es einen Bunker, der jahrzehntelang als Hotel genutzt wurde, jetzt aber kaum noch zugänglich ist.

Dortmund.. Im zweiten Weltkrieg retteten sie Leben, die Bunker unter Dortmund. Doch was ist eigentlich heute mit diesen ehemaligen Schutzorten und was ist von ihnen bekannt? Unsere Leserin Birgit Klein stieß in einem Internetforum auf die Information, dass in der Nähe der Westfalenhallen ein Hotelbunker existiert haben muss. Sie hat eine Reihe von Fragen: „Wie wurde der Bunker während und nach dem Krieg genutzt? Wurde er als Hotel genutzt? Gibt es ihn noch? Kann man den Bunker besichtigen? Wie groß ist er?“

Wer nicht genau hinsieht, der kann die beiden Betonklötze auf dem Parkplatz der Westfalenhallen leicht übersehen. Dabei steckt in der Tat ein großer Tiefbunker darunter. Kai Ohlenbostel, Dortmunder Bunker-Experte, war schon drin. Nach einer steilen Treppe komme man in den Hauptflur, von dem Zimmer, Waschräume, Küche und ein Gaststättenraum abgehen, weiß er. 520 Quadratmeter sei der Bunker laut demVerzeichnis der Schutzbauten aus dem zweiten Weltkrieg von 1949 groß, sagt Dirk Buchholz vom Stadtarchiv. Er sei unmittelbar nach dem Krieg genutzt worden – zur vorübergehenden Unterbringung von Rückwanderern, heimkehrenden Soldaten und Menschen, die durch den Bombenkrieg ihre Bleibe verloren hätten.

Bericht von 1945

Bis zu 650 Menschen hätten dort Platz gefunden. Kai Ohlenbostel betrachtet diese Angaben aber mit Skepsis: „Diese Zahlen waren meist geschönt“, sagt er. Von Sechs-Mann-Bunkern sei behauptet worden, dass bis zu 50 Menschen dort hinein passten.

Doch wie wurde der Bunker genau genutzt? Hier gebe ein Bericht der Polizeidirektion Dortmund an den Oberbürgermeister vom 20.06.1945 Aufschluss, so Dirk Buchholz: „Der Bunker an der Westfalenhalle ist noch in Betrieb. In ihm wohnen z.Zt. neben dem Bunkerwart Schulze noch 8 ausgebombte Familien.... Diese Familien und der Bunkerwart haben je eine Kabine. ...Der Bunkerwart Schulze berichtet, dass ein Ehepaar vom Wohnungsamt in einem Dortmunder Vorort untergebracht werden sollte, dass es aber offenbar wegen der schlechten Versorgungsverhältnisse (Mangel an Lebensmittelgeschäften in diesen Stadtteilen) lieber im Bunker wohnen bleiben will. ...Der Bunker an der Westfalenhalle ist durchaus sauber und wird von dem Bunkerwart in einwandfreier Weise verwaltet. Dieser berichtet noch, dass zeitweilig der Bunker von einer Anzahl Personen bis zu 100, bei Eintritt der Sperrstunde als Notquartier in Anspruch genommen würde, welche auf der Durchreise Dortmund berührten. Es handelt sich um solche Personen, die die Reise auf Lastwagen zurücklegen.“

Hoteleröffnung 1948

1948 wurde dann in der ehemaligen Luftschutzanlage ein Hotel eröffnet, das über 45 Betten verfügte, so Buchholz. Dortmunder Adressbücher wiesen zwischen 1950 und 1984 das „Rheinlanddamm-Hotel“ an dieser Stelle nach. Das Buch „Wer hat in Dortmund..., Superlative einer arbeitsamen Stadt“ beschreibe 1971 die Nutzung als Hotel genauer: Sechs Meter seien die Wände dick, heißt es. „Kein Wunder, dass dieser Bau alle Kriegswirren unbeschadet überstanden hat. Während des Krieges fühlten sich hier Prominente bei einem Dortmund-Besuch am sichersten. Heute ist der Bunker zu einem Hotel umgestaltet, das trotz seiner Lage unter der vielbefahrenen Bundesstraße 1 eine ungewöhnliche Ruhe bietet.“

1994 sei der Bunker dann aus der Zivilschutzbindung entlassen worden, sagt Bernd Stuck von der Feuerwehr in einem Zeitungsartikel 2005. In dem Jahr wurde der Bunker auch zur Besichtigung am Tag des offenen Denkmals geöffnet – wie auch 2009.

Und heute? Zu besonderen Anlässen könne der Hotelbunker hin und wieder geöffnet werden, sagt Michael Holtkötter vom Denkmalamt. Regelmäßige Führungen seien aber nicht geplant, die nächste Öffnung auch noch nicht. Genutzt werden könnte der Bunker aber theoretisch, weiß Kai Ohlenbostel. „Strom und Wasser sind da.“

 
 

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