Waltraud Meier singt seit 40 Jahren auf der Opernbühne

Waltraud Meier - eine der großen Wagner-Sängerinnen.
Waltraud Meier - eine der großen Wagner-Sängerinnen.
Foto: HO
Dortmund war eine Karrierestufe - Bayreuth lange Heimat. Waltraud Meier im Interview über bedeutende Rollen und ihre Auffassung von guter Opernregie.

Würzburg. Als Kundry und als Isolde hat sie Maßstäbe gesetzt. Waltraud Meier, faszinierende Darstellerin großer Opernpartien, feierte 2016 ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Ein wichtiger Schritt war für die Sängerin ihr Engagement in Dortmund von 1980 bis 1983. In diesen Jahren begann ihre internationale Karriere. Nachdem sie 1983 die Kundry im Bayreuther „Parsifal“ sang, wird sie 2018 auf den „Grünen Hügel“ zurückkehren. Werner Häußner sprach mit Waltraud Meier (60) über ihre Rollen, die Dortmunder Jahre und ihre Rückkehr nach Bayreuth.

In Würzburg debütierten Sie mit nur 20 Jahren als Lola in „Cavalleria rusticana“.

Waltraud Meier: Ich war damals, 1976, im Extrachor des Würzburger Theaters, als man mir ein Vorsingen anbot. Ich hatte gerade mein Englisch- und Französisch-Studium begonnen und bin unglaublich locker in dieses Vorsingen gegangen – ich hatte ja nichts zu verlieren. Ein Vierteljahr später kam der erste Agent und holte mich vom Fleck weg nach Mannheim. Mit 21 Jahren debütierte ich dort im November 1977 als Azucena in Verdis „Trovatore“.

Und 1980 kam Dortmund.

Meier: Da war ich 24 Jahre alt und hatte schon viele Partien gesungen. Hans Wallat, damals Generalmusikdirektor, fragte mich, ob ich zu ihm kommen wolle. Dortmund öffnete mir die Chance, Rollen zu vertiefen, zum Beispiel Mozart-Partien wie Dorabella („Cosí fan tutte“). Eboli in Verdis „Don Carlo“ oder Santuzza in „Cavalleria rusticana“ habe ich zum ersten Mal gesungen. Und meine erste Kundry.

Wie fühlten Sie sich im Revier?

Meier: Für mich als Süddeutsche war das erst einmal ein Kulturschock. Mit der Stadt kam ich nicht klar, aber mit den Menschen: Sie sind liebenswürdig, ehrlich und haben das Herz am rechten Fleck. Außerdem war die Nachbarschaft des Opernhauses zur Thier-Brauerei sehr von Vorteil. Viele meiner später wichtigen Rollen haben sich in Dortmund – auch in der Arbeit mit Hans Wallat – ‚gesetzt‘. Von Dortmund aus habe ich viel an anderen Häusern gesungen, unter anderem in Köln und an der Deutschen Oper am Rhein.

Die Kundry in Richard Wagners „Parsifal“ haben sie von 1982 bis 2016 gesungen. 34 Jahre! Hat sich Ihre Rollenauffassung geändert?

Meier: Mein Verständnis hat sich graduell verändert. Als ich die Kundry 1982 in Dortmund zum ersten Mal gesungen habe, sagte mir Regisseur Paul Hager, ich solle schauen wie Martha Mödl. Damals kannte ich die Mödl nur von Fotos. Also habe ich die Augen groß aufgerissen und alle fanden das toll.

Warum singen Sie Kundry nun nicht mehr?

Meier: Weil ich keinen Regisseur kenne, mit dem ich meine Vorstellungen umsetzen könnte. Und weil ich möchte, dass – wenn ich eine Rolle singe – die Balance noch stimmt zwischen Erfahrung, Ideen und körperlicher Kraft.

Was kritisieren Sie an heutigen Inszenierungen?

Meier: Eine Inszenierung sollte sich intelligent an der Musik, am Text entlang bewegen. Ich will auf der Bühne nicht nur Statements sehen, sondern erleben, wie Menschen etwas miteinander zu tun haben. Ich wünsche mir Theater, und das durchaus mit modernen Mitteln. Tiefgehende Emotionen, aber begründet auf dem, was in der Partitur steht. Patrice Chéreau hat das auf geniale Weise verstanden.

2018 verkörpern Sie Ortrud in „Lohengrin“ in Bayreuth. Eine versöhnte Rückkehr?

Meier: Ich habe mich mit Wolfgang Wagner noch vor seinem Tod versöhnt. Wir haben freundliche Briefe gewechselt. Katharina Wagner hat mich gefragt, ob ich wiederkomme, und ich habe gerne zugesagt. Ohne Groll oder Bitterkeit.