Vorgelebte Integration

Die Stadtteilmütter: v.l.: Hourea Yasede, Hourea Ouaakki, Fatima Hamadaoui. Foto: Knut Vahlensieck
Die Stadtteilmütter: v.l.: Hourea Yasede, Hourea Ouaakki, Fatima Hamadaoui. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
20 Stadtteilmütter sind qualifiziert und seit September im Einsatz. Sie sollen Frauen mit Migrationshintergrund helfen, an der Gesellschaft teil zu haben.

Dortmund. Wer versteht die Sorgen und Nöte einer muslimischen Frau in Deutschland besser als eine andere muslimische Frau? Wer weiß besser, wie Integration glücken kann, als jemand, der über sich sagt „ich bin integriert“? Wie Hourea Yasede. Die 39-jährige ist eine von 20 Stadtteilmüttern – Frauen, nicht-deutscher Herkunft, die andere Frauen mit Migrationshintergrund beraten und ihnen helfen, an der Gesellschaft teil zu haben.

Das Modellprojekt in NRW war im März in Dortmund sowie zeitgleich in Bochum und einen Monat vorher in Essen gestartet. Zunächst wurden die Frauen qualifiziert, seit September sind sie in den Stadtteilen Hörde, Nord und Scharnhorst im Einsatz.

Begrenzt auf ein Jahr

„Die Frauen sollen aus ihren vier Wänden rauskommen – ich will sie motivieren, Sprachkurse zu besuchen“, sagt Hourea Ouaakki, die in Scharnhorst arbeitet. Ebenso wie Yasede hat sie sich jahrelang um ihre Familie und die eigenen Kinder gekümmert – und geht nun in ihrer neuen Aufgabe auf. „Ich kann vorleben, wie viel Vorteile es bringt, die deutsche Sprache zu sprechen“, sagt Ouaakki. „Nur so ist es möglich, Kontakte außerhalb der Familie, zu Nachbarn und anderen Eltern zu pflegen.“

Die Frauen sind aber nicht nur dafür da, anderen zu helfen – sie sollen sich mit dieser Arbeit auch selbst für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. Das Projekt wird zu großen Teilen finanziert von der Bundesagentur für Arbeit sowie dem Arbeitsministerium.

990 Euro brutto für 30 Stunden

Die Frauen arbeiten im Rahmen einer Arbeitsmaßnahme, bekommen 990 Euro brutto im Monat für 30 Stunden Arbeit in der Woche. Ihr Einsatz ist begrenzt auf ein Jahr – am 31. August 2012 ist die Maßnahme für die 20 Frauen beendet. Weitere zehn Frauen werden derzeit qualifiziert, die am 1. März 2012 in Dorstfeld für ein Jahr tätig sein werden. „Dann ist leider die Arbeit, die nun aufgebaut wird, wieder beendet“, bedauert Fachanleiterin Kristina Krcmarek.

Eine Menge Aufbauarbeit haben die Frauen bereits geleistet: Zum Beispiel musste das neue Angebot in den Stadtteilen bekannt gemacht werden. „Wir haben Kontakt zu Schulen, Kindergärten, Vereinen oder Nachbarschaftsinitiativen“, erklärt Krcmarek. Mit Mund-zu-Mund-Propaganda haben die Stadtteilmütter mit vielen Frauen Gespräche geführt, sie beraten, wenn es zum Beispiel darum ging, wo es Hausaufgabenhilfe für Kinder gibt. In den Stadtteilen haben sich feste Sprechstunden etabliert, aber auch Aktionen wie Ferienbetreuung oder Bastelgruppen haben die Stadtteilmütter organisiert. Und sie besuchen Familien zu Hause.

Angst nehmen

„Ich habe schon einige Frauen kennengelernt, die sich haben scheiden lassen und die nun gar nicht wissen, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen können“, erzählt Yasede. „Bislang hatte der Mann alles entschieden und jetzt wissen sie gar nicht mehr weiter.“ Yasede, die selbst fünf Kinder hat, hilft nicht nur damit, dass sie weiß, wo die richtigen Ansprechpartner sitzen – sie nimmt den Frauen auch die Angst davor, alleine klarzu kommen. „Ich weiß, wie viel Schwierigkeiten eine muslimische Frau in Deutschland hat“, sagt Yasede.

 
 

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