Vor 70 Jahren — Bomben legen Dortmund in Schutt und Asche

Foto: WR
Es war der bis dahin schwerste Luftangriff der Alliierten auf eine deutsche Stadt: In der Nacht zum 24. Mai 1943 legten Bomben die Dortmunder Innenstadt in Schutt und Asche. 100.000 Menschen verlieren ihre Wohnungen. Aber ein weit schwererer Angriff wird folgen — der schwerste im Zweiten Weltkrieg.

Dortmund.. Explosionen, Feuer, Staub und Trümmer es war ein regelrechtes Inferno, das über die Bewohner der Dortmunder Innenstadt in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai vor genau 70 Jahren hereinbrach. Es war der bis dahin schwerste Bombenangriff der Alliierten auf eine deutsche Stadt.

Einen Vorgeschmack hatten die Dortmunder schon zwei Wochen vorher erlebt. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai lud eine Armada von 596 Bombern der britischen Luftwaffe Bomben mit einem Gesamtgewicht von mehr als 1570 Tonnen über der Innenstadt ab.

Es war der Anfang vom Ende für das alte Bild der Stadt Dortmund: Prägende Bauten wie das Alte Rathaus, die alte Bibliothek und die Propsteikirche wurden schwer getroffen, tausende Häuser zerstört.

"Der Horizont ist rot. Ein Großfeuer nach dem anderen."

Die geschockten und fassungslosen Dortmunder konnten nicht ahnen, dass ihnen wenig später ein noch verheerender Angriff bevorstand. Um 0.29 Uhr ertönt in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai Fliegeralarm, flüchten die Menschen wieder in Keller und Bunker.

"Kurze Zeit nach dem Alarm fallen Bomben in rauhen Mengen", heißt es in einem Tagebuch-Eintrag. "Die Flak schießt, was die Rohre nur zulassen. Brandbomben kommen auf Straßen und Gärten. Sprengbomben erschüttern die ganze Umgebung. Häuser stürzen zusammen oder brennen. Und immer wieder kommen neue Wellen Flugzeuge und werfen Bomben ab. Einundeinehalbe Stunde dauernd Angriffe. Das elektrische Licht setzt aus. Der ganze Horizont ist rot erleuchtet. Ein Großfeuer nach dem anderen. Dazwischen gehen Blindgänger hoch. Die Luft zittert. Wieder stürzen Gebäude zusammen."

Kein Löschwasser wegen der Möhne-Katastrophe

Mehr als 2200 Tonnen Spreng- und Brandmunition werfen die mehr als 800 eingesetzten britischen Bomber über der Innenstadt - Orientierungspunkt ist die Reinoldikirche - ab. Speziell die Brandbomben zeigen einmal mehr verheerende Wirkung, zumal das Löschen kaum möglich ist.

Denn nach der Bombardierung und Zerstörung des Möhne-Stausees wenige Tage zuvor sind die Wasserreserven der Ruhr erschöpft. Mehr als 770 Großbrände und fast 4000 mittlere und kleine Brände werden gezählt. Ein Feuersturm lodert durch die Straßen.

100.000 Dortmunder verlieren ihr Obdach

Die Folgen der Bombennacht vom 23./24. Mai sind entsprechend verheerend: Mehr als 620 Tote werden gezählt. Viele Überlebende haben ihr Zuhause verloren. Insgesamt - so die Bilanz nach dem zweiten Großangriff - haben mehr als 100 000 Dortmunder ihr Obdach verloren. Über 2000 Wohnhäuser, elf Kirchen - allen voran die Petrikirche - werden in der Bombennacht des 23. Mai total oder erheblich zerstört, dutzende Schulen und Industrieanlagen schwer beschädigt.

"Besonders der Norden ist ein Trümmerfeld geworden", stellt die Stadtarchivarin Luise von Winterfeld in ihren Aufzeichnungen fest. "Man wird seines Lebens nicht mehr froh hier. Der zweite Angriff war noch schlimmer in der Stadtmitte und im Norden als der erste. Auf dem ganzen Burgwall, der Brückstraße, dem Westenhellweg usw. steht aber auch kein Haus mehr ganz", schreibt eine andere Augenzeugin der Bombennacht in einem Brief.

Goebbels: "Berichte aus Dortmund sind grauenerregend."

Eindrücke, die selbst den Mann, der im fernen Berlin drei Monate zuvor den "totalen Krieg" ausgerufen hatte, nicht kalt lassen. "Der Nachtangriff der Engländer war außerordentlich verheerend, wahrscheinlich der schwerste, der bisher auf eine deutsche Stadt geflogen wurde", notiert Propagandaminister Joseph Goebbels in seinem Tagebuch. "Die Berichte, die aus Dortmund kommen, sind ziemlich grauenerregend."

Hintergrund:

Die Luftangriffe der alliierten Streitkräfte waren die Reaktion auf die deutsche Kriegspolitik mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das Ruhrgebiet stand dabei mit seiner Rüstungsproduktion und wichtigen Verkehrsadern besonders im Mittelpunkt.

In Dortmund wurden 105 so genannte Hauptangriffe gezählt. Besonders verheerend war die Serie der acht Großangriffe ab Mai 1943.

Weitere Großangriffe auf Dortmund folgten im Mai, Oktober und November 1944 und im Februar 1944. Der letzte Großangriff vom 12. März 1945 gilt als der schwerste, der je auf eine deutsche Stadt geflogen wurde.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war die Dortmunder Innenstadt zu mehr als 93 Prozent zerstört, hatten mehr als 7000 Menschen im Bombenhagel ihr Leben verloren.

 
 

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