Vision vom „Fahrrad-Highway“

Ein Fahrradfahrer von den Houses of Parliament in London.
Ein Fahrradfahrer von den Houses of Parliament in London.
Foto: REUTERS WP

Dortmund.. Der Radverkehr lässt sich nicht mehr aufhalten. Beflügelt durch neue, flotte und auch Akku-unterstützte Fahrräder setzen immer mehr Verkehrsteilnehmer auf zwei Räder. Die Stadt Dortmund erwägt jetzt, einen sogenannten „Fahrrad-Highway“ in Ost-West-Richtung anzulegen.

Der ADAC ist der Automobilclub. Dass der ADAC nun eine große Tagung zum Thema Radverkehr im Stadtwerkesaal durchführte, zeigt die wachsende Bedeutung des Themas. „Wir hatten mit 80 Teilnehmern gerechnet. Über 300 sind gekommen“, berichtet ADAC-Sprecher Dr. Peter Meintz. Bei dieser Tagung ging es darum, welche Lösungen die Stadtplanung für eine stärkere Verlagerung des Verkehrs auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel vorhalten muss.

Mehr Unfälle

„Mit zunehmendem Radverkehr steigt auch die Zahl der Unfälle - entgegen den allgemeinen Trend“, erläutert der Vorsitzende des ADAC Westfalen, Klaus-Peter Reimer. Nicht zuletzt aus diesem Grund fordert der ADAC geeignete Radwege. Wobei die der Autofahrerclub das Bundesurteil kennt: Radfahrer dürfen als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer die Straße benutzen.

Die ADAC-Tagung wagte einen Blick in die Zukunft: Wenn in zehn Jahren morgens tausende Radler - unterstützt durch Elektromotoren - in die City pendeln, müssen die Weichen entsprechend gestellt werden. Eine Idee, die das Stadtplanungsamt beschäftigt: den zwei- und den vierrädrigen Verkehr zu trennen. Eine Lösung könnte ein so genannter „Fahrrad-Highway“ sein.

Kreuzungsfrei und abgetrennt

So eine Schnellverbindung würde den Radverkehr kreuzungsfrei und abgetrennt vom Autoverkehr durch die Stadt führen. In Dortmund laufen entsprechende Planungen unter dem Schlagwort „Fahrrad B1“, da zunächst der Verkehr in Ost-West-Richtung angegangen werden soll. Allerdings würde der Bau einer solchen Route zahlreiche Baumaßnahmen mit sich führen. Die einfachste Lösung wäre es, von bestehenden Straßen eine Fahrspur abzuknapsen und für den zweirädrigen Verkehr zu reservieren. Eine Idee, die Winfried Sagolla vom Planungsamt gar nicht behagt: „Da käme ein Proteststurm auf uns zu“.

Vorbilder im Ausland haben gezeigt, dass Pendler durchaus bereit sind, aufs Fahrrad umzusteigen – wenngleich die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Von London etwa heißt es, dass seit der Einführung spezieller Fahrradspuren in der City der Radverkehr um 70 Prozent gestiegen sei. Sagolla relativiert: „Der Radverkehr in London ist von zwei auf dreieinhalb Prozent gestiegen“.

Alte Bahntrasse

Sagolla, ein Befürworter des Fahrrad-Highways bevorzugt eine eigene Streckenführung. Schon jetzt verbindet ein ähnlicher Radweg die Unis in Essen und Duisburg miteinander. Die Strecke folgt der alten Trasse der Rheinischen Bahn, die von der Bahn nicht mehr genutzt wird. Das Problem: „In Bochum und Dortmund dient diese Trasse als ICE-Strecke“, erklärt Sagolla. Und einen Dortmunder Alleingang hält der Stadtplaner für unwahrscheinlich. Daher wird es wohl noch Jahre dauern, bis Dortmund seine Schnellstraße für Pedalisten bekommt.

Denn die Voraussetzungen, die ein derartiger Highway erfüllen muss, sind nicht gering.

  • Er muss breiter sein als herkömmlicher Fahrradweg, also mehr als 2,50 Meter.
  • Er sollte geradlinig sein.
  • Er sollte über einen glatten Belag verfügen.
  • Er sollte die Fahrräder unabhängig vom Straßenverkehr führen.
  • Er sollte möglichst nahe der Innenstadt liegen

Das klingt wie die Quadratur des Kreises. Darum stecken die Planungen im dicht besiedelten Dortmund auch noch in den Kinderschuhen. „Es gibt noch keinerlei Beschlusslage“, stellt Sagolla daher klar. Zunächst müsse die Verwaltung das Projekt offiziell angehen. Doch Sagolla ist optimistisch: „Da finden wir was“.

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