Virus legt komplette Grundschule in Dortmund lahm

Peter Ring
Sofort geschlossen wurde die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund wegen Magen-Darm Erkrankungen bei mehr als 100 Kindern.
Sofort geschlossen wurde die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund wegen Magen-Darm Erkrankungen bei mehr als 100 Kindern.
Foto: Rottmann
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall: 109 Kinder der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund liegen krank im Bett. Jetzt schlägt das Gesundheitsamt Alarm – und macht die Schule dicht. Alle gesunden Schüler müssen sich vom Arzt durchchecken lassen. Mysteriös: Die Hygiene in der Schule sei „einwandfrei“.

Dortmund. Nicht weniger als 109 Schüler der Grundschule Kleine Kielstraße leiden seit Montag an einer Magen-Darm-Infektion. Mutmaßlich könnte es das Noro-Virus sein, das sich wellenartig über die Schule in der Nordstadt verbreitet hat und die Behörden zum Handeln zwang. Die Schule wurde geschlossen und soll frühestens am Freitag wieder öffnen.

Über 100 Krankheitsfälle in nur einer Schule, eine solche Ballung hat auch Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus noch nicht erlebt. Obwohl man noch keine Entwarnung geben und nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen könne, dass es sich um das jahreszeittypische Norovirus handele, zeigte sich Düsterhaus am Montagnachmittag zuversichtlich: „Nach jetzigem Kenntnisstand gibt es keinen Grund zur Besorgnis“, so Düsterhaus. „Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei der Infektion um eine Viruserkrankung, die sehr ansteckend ist; aber bei sonst gesunden Kindern oder Erwachsenen zu keinen gravierenden Komplikationen führt.“

Zahl der Erkrankten verdreifachte sich

Wie erst am Montag bekannt wurde, klagten bereits am Freitag 36 Kinder der Schule über Übelkeit und Erbrechen, seltener über Durchfall. Bis zum Montagabend verdreifachte sich die Zahl der Erkrankten. In Absprache mit dem Gesundheitsamt entschied Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart, die Schule bis einschließlich Donnerstag zu schließen. Am Freitag soll jedes Kind einzeln nach noch bestehenden Symptomen befragt werden. Nur symptomfreie Kinder dürften wieder am Unterricht teilnehmen. Bereits am Wochenende fand eine Flächendesinfektion in der Schule statt. Türklinken, Tische und Toiletten seien mit Desinfektionsmitteln gereinigt worden, um eine weitere Ausbreitung an der Schule mit ihren rund 400 Schülern zu minimieren, so Düsterhaus.

Norovirus wahrscheinlich

Alle Kinder wurden am Montag mit Info-Handzetteln für die Eltern nach Hause geschickt. Die erkrankten Kinder stammten aus allen Klassen, infizierte Lehrer sind dem Gesundheitsamt bislang nicht bekannt. Auch wisse man nichts von anderen betroffenen Schulen oder Einrichtungen in der Nähe. Um der Ursache für die Erkrankung auf die Spur zu kommen, liefen jetzt Untersuchungen von Stuhlproben auf Keime bei einem Institut. Auch das zuständige Veterinäruntersuchungsamt ist eingeschaltet. Wo die Infektion herkommt? - unklar. „Es ist davon auszugehen, dass das Schulessen nicht die Ursache ist. Die hygienischen Bedingungen waren einwandfrei. Zudem haben längst nicht alle erkrankten Kinder an den Mahlzeiten teilgenommen“, so Düsterhaus. Konkrete Ergebnisse könnten noch einige Tage auf sich warten lassen.

Husten, Niesen, Händchenhalten oder Toilettenbesuche könnten die Ausbreitung des Virus verstärkt haben, glaubt Düsterhaus. Und steht damit nicht allein. Dr. Frank Hünger, Mikrobiologe und Hygieniker des Klinikums hält einen Norovirus bei dieser Ausbreitungsgeschwindigkeit („Attack Rate“) ebenfalls für wahrscheinlich. Wenn es so wäre, „kann man nach 72 Stunden ohne Symptome“ wieder zur Schule gehen.