Verteidiger nennt Angriff von Neonazi Sven K. auf Türken „nicht politisch motiviert“

Neonazi Sven K. (Mitte) mit seinem Verteidiger Wolfgang Opitz (links). Rechts im Foto  Rechtsanwalt Tobias Falk, der den jüngeren Bruder von Sven K.verteidigt.
Neonazi Sven K. (Mitte) mit seinem Verteidiger Wolfgang Opitz (links). Rechts im Foto Rechtsanwalt Tobias Falk, der den jüngeren Bruder von Sven K.verteidigt.
Foto: Knut Vahlensieck
Im Prozess gegen Neonazi Sven K. und drei weitere Rechte hatte am Dienstag die Verteidigung das Wort. Das Quartett soll unter anderem am 26. November 2011 zwei türkischstämmige Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt zusammengeschlagen haben.

Dortmund.. Der Angriff auf zwei türkischstämmige Schüler am 26. November letzten Jahres auf dem Weihnachtsmarkt entbehre „jeglichem politischem Hintergrund“, erklärte Rechtsanwalt Wolfgang Opitz, Verteidiger von Neonazi Sven K., gestern im Prozess gegen vier angeklagte Rechte. Sein Mandant sei wegen zwei Faustschlägen und einer Beleidigung – nicht mehr und nicht weniger – „angemessen zu bestrafen“.

Außerdem beantragte der Verteidiger aus Münster in seinem kurzen und sachlichen Plädoyer die endgültige Aufhebung des Haftbefehls, der zurzeit nur außer Vollzug gesetzt ist. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor für Sven K., der 2005 den Punker Thomas S., genannt „Schmuddel“ , erstochen hatte, zwei Jahre Gefängnisstrafe beantragt. Ebenso wie Rechtsanwalt Manuel Kabis – er vertritt die Interessen eines der auf dem Weihnachtsmarkt verletzen Jungen – hatte auch die Anklagebehörde eine fremdenfeindliche Motivation bejaht.

Anwälte fordern Freispruch für zwei mitangeklagte Freunde

An jenem Abend des 26. November zog Sven K. mit seinen mitangeklagten Gesinnungsgenossen, darunter auch sein jüngerer Bruder Jan, angetrunken über den Weihnachtsmarkt. In der Nähe des „Alex“ kam es zwischen Sven K. und seiner Ehefrau zu einem Streit, den die beiden türkischstämmigen Jungen beobachteten. Mit den Worten „Was guckt ihr, Bastarde“ schlug der Neonazi zu. Dass Sven K. auch auf die am Boden liegenden 17 und 18 Jahre alten Schüler eintrat, sei jedoch nicht festzustellen, so Rechtsanwalt Wolfgang Opitz..

Anders sähe es mit einem Schlag aus, den ein Security-Mitarbeiter von dem muskelbepackten Rechten einstecken musste, als er sich Sven K. in den Weg stellte.

Und die mitangeklagten Freunde von Sven K.? Die sind nach Meinung ihrer Verteidiger die reinsten Unschuldslämmer, die dem Angriff auf die beiden Jungs tatenlos zugesehen haben. „Mein Mandant war vor Ort, hat sich aber nicht eingemischt“, erklärt Rechtsanwalt Tobias Falk, der den jüngeren Bruder von Sven K. vertritt. Auch bei einem Angriff auf einen Passanten in Oberhausen sei Jan K. nur „vor Ort“ gewesen. Daher müsse er freigesprochen werden.

Das Urteil wird im Januar erwartet

Auch der dritte im Bunde, der laut Staatsanwaltschaft zwei Jahre und neun Monate Jugendstrafe abbrummen soll, hat sich nach Überzeugung seines Anwaltes Kuntze „nur der Gruppe angeschlossen“ Antrag: Bewährungsstrafe.

Dass an dem Springerstiefel seines Mandanten, Angeklagter Nummer vier nachweislich das Blut eines der Schüler vom Weihnachtsmarkt haftete, belege überhaupt nichts, so Rechtsanwalt Marc Kleber aus Essen, der Freispruch beantragte. Die Staatsanwaltschaft hatte hier ein Jahr und drei Monate Haft gefordert. Urteil im Januar.

 
 

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