Verschwundene Kunst erstmals auf Prüfstand

Hat die Stadt den städtischen Kunstbestand unzureichend bilanziert und ist zu lax mit ausgeliehenen Kunstwerken umgegangen? Nein, sagt Kulturbetriebe-Chef Kurt Eichler. Er legte dazu am Montag dem Kulturausschuss des Rates eine vier Seiten lange Stellungnahme vor. Dennoch - ab 2017 gibt es eine Änderung.

Dortmund. Rückendeckung bekam die Verwaltung durch ein Schreiben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Die Prüfer erläuterten, dass die Kulturbetriebe bei ihrer Gründung 1995, der Verpflichtung, eine Eröffnungsbilanz aufzustellen "vollumfänglich nachgekommen" sei. Dass zum Teil nur "Erinnerungswerte von 1 DM angesetzt wurden, wenn die Anschaffungskosten von Kunstwerken nicht bekannt waren, sei ausreichend. Eine regelmäßige "körperliche" Inventur, sehe das Handelsrecht nicht vor.

Sie soll nun bis Ende Januar 2017 erstmals seit dem Aufbau der städtischen Kunstsammlung Ende des 19. Jahrhunderts vollständig vorgenommen werden, heißt es in der Stellungnahme der Kulturbetriebe. Dazu gehören auch Werke aus dem städtischen Kunstarchiv, die seit den 1960er Jahren von Mitarbeitern der Stadt als Büro-Dekoration ausgeliehen werden können.

Leihverträge wurden abgeschlossen

"Der Ausleihvorgang wird im Kulturbüro dokumentiert. Dazu werden mit den Leihnehmern Leihverträge geschlossen", heißt es in der Stellungnahme. Von der Aussage von Kulturdezernent Stüdemann gegenüber unserer Zeitung, man wisse nicht, ob ein Stadt-Mitarbeiter bei der Pensionierung 1980 ein Bild zurückgegeben haben, war im Ausschuss keine Rede. Man gehe grundsätzlich von einem "pfleglichen und verantwortungsvollen Umgang mit den entliehenen Kunstwerken aus", heißt es. "Es kann mal was wegkommen, aber das ist kein Massenphänomen", sagte Kurt Eichler.

Die Verwaltung räumte grundsätzlich ein, dass es bei der Abwicklung der Kunstausleihe Defizite gibt. Aufgrund von Personaleinsparungen sei das Kunstarchiv in den vergangenen Jahren oft von "fachfremden" Kräften verwaltet worden, und auch das nicht durchgängig. Seit der letzte Stelleninhaber 2013 in den Ruhestand ging, sei gar kein Personal mehr vorhanden. Die Arbeiten würden von dem Fachreferenten, der für den Kunstankauf zuständig sei, zusätzlich übernommen.

Verlust im Wert von 1 Million sei unrealistisch

Ab 2017 soll es aber eine Stelle für die Registrierung gemeinsam mit dem Museum Ostwall geben. Als "völlig unrealistisch" bezeichnete Eichler Spekulationen über einen möglichen Verlust von 1 Million Euro. "Dann müsste der Kunstankauf von 40 Jahren komplett verschwunden sein".

Oliver Volmerich