Vermieter lassen Dortmunderin mit türkischen Wurzeln abblitzen

Die türkischstämmige Dortmunderin Nuray Akyol sucht für ihre Schwester eine Wohnung in Dortmund - am 09.02.2012 steht sie auf der Großen Heimstraße und sucht aus einer Anzeige die Adresse einer zu besichtigenden Wohnung.
Die türkischstämmige Dortmunderin Nuray Akyol sucht für ihre Schwester eine Wohnung in Dortmund - am 09.02.2012 steht sie auf der Großen Heimstraße und sucht aus einer Anzeige die Adresse einer zu besichtigenden Wohnung.
Foto: WAZ FotoPool
Ein türkischer Name bei der Wohnungssuche ist in Deutschland offenbar noch immer ein großes Hindernis. Nuray Akyol aus Dortmund musste sich erst als „Frau Schröder“ ausgeben, um zu Besichtigungen eingeladen zu werden. Aber auch das hilft nicht. Die Deutsche mit türkischen Wurzeln hat bisher keine Wohnung gefunden.

Dortmund. Als Nuray Akyol Mitte Januar auf Wohnungssuche ging, war sie guter Dinge. Für ihre derzeit noch in Berlin lebende Schwester suchte sie nach einer Wohnung in Dortmund. Stadtnah sollte sie gelegen sein, etwa drei Zimmer und zwischen 60 und 80 Quadratmeter groß. Nichts ausgefallenes, nur eine schöne Wohnung eben.

In der Kreuzstraße stieß die junge Frau auf einen Aushang im Fenster, der auf eine freie Wohnung im ersten Stock verwies. Nuray Akyol wählte die angegebene Nummer und sprach mit einer Frau, die sie nach ihren Daten fragte. Bereitwillig gab Nuray Akyol an, selbstständig zu sein und die Wohnung alleine beziehen zu wollen. Als sie ihren Namen angab, änderte sich der Tonfall der Frau: „Sie war schon freundlich, aber der Unterton in ihrer Stimme sagte mir, dass ich keine Chance habe“, sagt die 30-Jährige, die seit 2006 ein Café in der Hansastraße betreibt.

Nicht einmal ein Besichtigungstermin

Die Frau, von der Nuray Akyol bis heute nicht weiß, ob sie eine Immobilienmaklerin ist, versprach, sich vor dem nächsten Sammeltermin zur Besichtigung zu melden. Dieser sei am kommenden Mittwoch, so die Frau. Der Termin verstrich, Nuray Akyol wählte erneut die Nummer und fragte nach einem weiteren Besichtigungstermin. „Die Frau sagte mir, es hätten sich zu viele Leute zur Besichtigung angemeldet, es werde jetzt erstmal keine Termine mehr geben. Die Wohnung werde jetzt bestimmt bald vermietet werden.“

Nuray Akyol kam das spanisch vor. Zufällig sprach sie mit ihrer Tante, die einen Imbiss gegenüber der freien Wohnung betreibt, über den Vorfall. „Meine Tante sagte mir, dass die Wohnung schon seit über einem Jahr leer steht. Sie selber hat im letzten Jahr eine Maklerin an der Tür angesprochen und nach einem Termin zur Besichtigung gefragt. Die Frau sagte ihr sofort, die Wohnung sei bereits vermietet.“

Erst „Frau Schröder“ öffnet Türen

Nuray Akyol versuchte es weiter, diesmal über ein Immobilienportal im Internet. Sie schrieb E-Mails und hinterließ Nachrichten auf Anrufbeantwortern - und bekam nie eine Antwort. Einmal hatte sie einen Anbieter am Telefon, der behauptete, die betreffende Wohnung sei bereits vermietet. Als diese noch Tage später als unvermietet im Internet zu finden war, zeigte Nuray Akyol den Vermieter beim Betreiber des Immobilienportals an. Und ging die Wohnungssuche fortan anders an. Mit einem Trick. Als „Frau Schröder“ rief sie mehrere Wohnungsanbieter an und bekam - oh, Wunder - noch für den selben Tag zwei Besichtigungstermine angeboten. „Als ich zum Termin kam und der Vermieter sah, dass ich nicht wie eine Frau Schröder aussehe, war er sichtlich verärgert“, erzählt die Mutter einer zweijährigen Tochter. „Er gab karge Antworten und zuckte viel mit den Schultern.“

Nuray hatte noch kein Glück bei der Wohnungssuche

Nachdem ihr schließlich noch eine Vermieterin am Telefon sagte: „Schröder, das ist aber ein schöner, einfacher deutscher Nachname“, ist sich Nuray Akyol sicher: „Es liegt an meinem Nachnamen. Es ist egal, ob ich akzentfrei deutsch spreche oder ordentlich Geld verdiene. Mein Nachname bedeutet für die: Fünf Kinder, Kopftuch und im Hausflur Essensgeruch.“

Weiter weg vom Klischee könnte die Wirklichkeit wohl kaum sein. Seit Mitte der 1970-er Jahre lebt Nuray Akyols Familie in Deutschland, mittlerweile in der dritten Generation. In ihrem Café hat die in Hagen geborene Deutsche übrigens zehn Arbeitsplätze geschaffen. Auch ihre Schwester aus Berlin soll dort demnächst mithelfen. Eine Wohnung für sie sucht Nuray Akyols trotzdem bislang vergebens.

 
 

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