Vergängliche Kunst - im Stil von Christo

Foto: WR

Was für Christo der Reichstag war, ist für Ilona und Peter Lehmann die Parkschänke. Am Samstag ließ das Pächterehepaar ihre Kneipe hinter Zeitungen verschwinden – der „Kneipen-Verhüllungsverein“ machte es möglich.

Es war ein ehrgeiziger Zeitplan: Binnen von nur drei Stunden sollte die Kneipe in der Lessingstraße hinter Papier verschwunden sein – innen wie außen. Es gelang: Die vierwöchige Vorbereitung hat sich gelohnt: Zügig verschwand seine geliebte Kneipe hinter Wirtschaftsmeldungen und Sportergebnissen, Lokalreportagen und bunten Geschichten.

Lehmann hatte die Verhüllung generalstabsmäßig vorbereitet: Ein Konzept erarbeitet, die Lokalitäten vermessen, einen Bauplan gezeichnet. Und noch viel wichtiger. Alle Bahnen fertig geklebt. „Dafür habe ich in den letzten vier Wochen meine Freizeit geopfert“, sagt er lachend. „Es ist ein Unikat, dass hat es noch nicht gegeben“, betont Lehmann. Das Puzzeln war Chefsache: „Da hat er sich nicht reinpfuschen lassen“, berichtet Darvin Maricic. Wohl aber beim Verhüllen selbst.

Dabei war der ganze Verein dabei – ebenso wie viele Schaulustige aus dem Viertel. Selbst OB Dr. Gerhard Langemeyer schaute vorbei. Der Wahlkampf hat begonnen. Maricic und die 30 anderen Mitglieder des Kneipen-Verhüllungsvereins hatten am Samstag alle Hände voll zu tun. Die Männer außen – die Frauen innen. Allerdings durfte die Kneipe innen nicht komplett mit Zeitungen ausgekleidet werden. Brandschutz – die Feuerwehr hatte Einwände, berichtet der Wirt. Auch außen mussten Feuerlöscher bereitstehen. „Wir mussten drei Männer benennen, die die Feuerlöscher bedienen können“, berichtet Lehmann vom Kleinkrieg mit der Bürokratie. Doch seine Vorarbeit wurde belohnt – das Wetter spielte mit.

So wurde die Verhüllungsaktion zum kleinen Volksfest. Kein Wunder: Ilona und Peter Lehmann sind vieles: Pächter der „Parkschänke”, Mitglieder im Sparclub „Zum letzten Cent”, gestandene Gastwirte und genauso bekannt wie beliebt in ihrem Quartier. Und sie sind die Begründer des Kneipenverhüllungsvereins. Angefangen hat alles schon vor gut sechs Monaten, als die Mitglieder des Sparclubs gemütlich beisammen saßen und grübelten, welche Aktion sie mal starten könnten. Es mag eine Bierlaune gewesen sein - doch plötzlich war die Idee geboren: Wir machen es wie Christo - wir verhüllen unsere Kneipe. Am besten mit Zeitungen. Von da an ging alles schnell. Die Idee nahm Konturen an.

Die Idee, die vom „Vergnügungsausschuss” des Kneipenverhüllungsvereins genau durchdacht wurde, fand viele Freunde: Die Sparkasse war dabei, der SPD-Ortsverein Nord-West, unsere Zeitung mit dem Redaktions-Mobil und natürlich auch die Kronen-Brauerei – sie gaben als Förderer der Vereinskultur in Dortmund den Anstoß. Und spendierten extra 30 Hemden für die Mitglieder sowie ein Fass Freibier. In der Pause schlugen Bezirksbürgermeister Siegfried Böcker und die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Marita Hetmeier das Fass an. Dann stießen die Besucher auf das vergängliche Kunstwerk an – abends musste es schon wieder verschwinden.

 
 

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