Verein gegen Kinderschänder stößt bei vielen Sportclubs auf Skepsis

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Der Verein „Wir4Kids“ will auf sexuellen Missbrauch von Kindern in Sportvereinen aufmerksam machen. Dabei stoßen die Intiatoren allerdings auf taube Ohren, denn viele Klubs reagieren abwehrend und bezweifeln, dass es in ihren Reihen sexuellen Missbrauch überhaupt gibt.

Dortmund. Sexueller Missbrauch kommt in Sportvereinen nicht vor. Nie. Erst recht nicht in Dortmund. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man hört, wie einige Sportclubs in Dortmund auf das Angebot des Vereins „Wir4Kids“ reagieren.

Der Verein bietet Schulungen an, um Trainer, Übungsleiter und Eltern für das Thema des sexuellen Missbrauchs im Sport zu sensibilisieren. Doch die Sportvereine reagieren, wenn überhaupt, oft abweisend, gar empört. „Sexueller Missbrauch? Bei uns? Quatsch!“ heißt es dann. Oder: „So etwas gibt’s bei uns nicht. Woanders vielleicht, aber garantiert nicht bei uns.“

Christiane Köhne und Monika Neuhoff wissen, dass das eine gefährliche Einstellung ist. „Überall, wo mit Kindern gearbeitet wird – in Kindergärten, Schulen, Ferienfreizeiten, aber ebenso im Sport – kommt es zu sexuellem Missbrauch“, sagt Monika Neuhoff. Deshalb sei es unerlässlich, die Beteiligten intensiv aufzuklären.

Klischees im Kopf

Die meisten Menschen, so erklärt Christiane Köhne, hätten sofort die typischen Kinderschänder-Klischees im Kopf, vom ekligen, bösen Mann, der nachts kleine Kinder vom Fahrrad reißt.

Doch in Wirklichkeit seien Täter nach außen hin oft völlig unauffällig, nett, liebenswert, freundlich. Dass dahinter eine Krankheit steckt, ein Trieb, ein System, das sei vielen nicht klar. In den Schulungen wird den Trainern deshalb erklärt, wie die Täter vorgehen, was im Verdachtsfall zu tun ist und wie das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt werden kann.

Seit zwei Jahren arbeitet „Wir4Kids“ mit dem katholischen DJK-Sportverband zusammen. In den kommenden Tagen will der Verein knapp 40 DJK-Sportclubs in der Region anschreiben und zahlreiche Trainer schulen. Denn je aufgeklärter die Menschen sind, desto sensibler reagieren sie auf bestimmte Warnzeichen. Und desto weniger Erfolg haben die Täter.

 
 

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