Veranstalter von „Unter den Tribünen“ in Dortmund von heftiger Kritik auf Facebook überrascht

Steffen Gerber
Unter den Tribünen des Signal-Iduna-Parks wurde kräftig und laut gefeiert, ehe es Kritik setzte. Fotos: Michael Printz / PHOTOZEPPELIN.COM
Unter den Tribünen des Signal-Iduna-Parks wurde kräftig und laut gefeiert, ehe es Kritik setzte. Fotos: Michael Printz / PHOTOZEPPELIN.COM
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Dortmund. Welch Gegensätze: Während die Veranstalter von „Unter den Tribünen“ von einer gelungenen Party-Premiere im Dortmunder Stadion sprechen, sammeln sich auf Facebook kritische Stimmen wie „Chaos“ oder „schlechte Organisation“. Der sprachliche Kompromiss lautet „Optimierungsbedarf“.

Eine Woche nach der Kritik an den Zuständen beim „Big 4“-Konzert in der Gelsenkirchener Schalke-Arena gibt es wieder Vorwürfe in Richtung Organisation einer Großveranstaltung. Diesmal ein paar Kilometer weiter östlich der B1, diesmal beim S04-Rivalen in Dortmund. Wieder im Fußballstadion, also im Signal Iduna Park. Soweit der konkrete Ort. Virtuell wird natürlich wieder im Netz geätzt, natürlich auf Facebook.

Wo sonst 80.720 Fußballfans den BVB feiern, wollten nun erstmals 12.500 zur Musik Party machen. Die ausverkaufte Premiere von „Unter den Tribünen“ im Dortmunder Signal Iduna Park löste ein zweigeteiltes Echo aus: Hier der Veranstalter, der auch nach dem Wochenende von einem gelungenen Debüt am Samstag spricht, dort auf Facebook kritische Stimmen mit dem Tenor „Chaos“ oder „schlechte Organisation“. Der sprachliche Kompromiss lautet „Optimierungsbedarf“.

Ein Teil der 12.500 Party-Gäste im Signal Iduna Park beklagt, dass die Wege schlecht ausgeschildert gewesen seien und manch einer zu vorgerückter Stunde nicht mehr zur gewünschten Tanzfläche kam. Auf der Facebook-Seite des Veranstalters Visions sprechen User von „schlechter Organisation und Beschilderung bzw. Bewirtung“, was zu „enttäuschten Gesichtern und verärgerten Menschen“ geführt habe. Gar von „Chaos“ und „schlimmster Party“ ist mitunter die Rede. Ein Vergleich mit der Loveparade 2010 führt dann aber auch objektiv in die falsche Richtung, zumal nur ein einziger Un- bzw. Vorfall bekannt wurde: Ein Mann war unbefugt zur Südtribüne vorgedrungen und beim Klettern von einem Stahldachträger abgestürzt. Dessen leichte Verletzungen sei aber nicht auf fehlerhafte Organisation, sondern nach übereinstimmenden Meldungen auf unvernünftiges Verhalten zurückzuführen.

Überwiegend positive Resonanz

Zurück zur Party-Kritik. Auch beim Veranstalter sind die Vorwürfe angekommen. Im Wesentlichen weist das zuständige Team des Dortmunder Magazins Visions diese aber zurück. „Wir haben überwiegend positive Resonanz erhalten“, sagt Sprecher Arne Jamelle und berichtet von einer knappen Handvoll kritischer E-Mails, die auf Missstände hingewiesen hätten. „Die meisten Leute hatten viel Spaß auf den Tanzflächen. Da viele erst am frühen Morgen um 4/5 Uhr gegangen sind, kann es so schlecht nicht gewesen sein. Und die negativen Reaktionen auf der Facebook-Seite sind zu extrem.“

Zudem verweist Jamelle auf die Sicherheitsbestimmungen. Wegen denen seien einzelne Absperrungen nötig gewesen, sodass einige nicht zu den gewünschten Tanzflächen gelangen konnten. Auch den Andrang zum Westtribünen-Floor „Eurodance“ habe man mangels Erfahrung nicht ganz richtig eingeschätzt. „Falls es deswegen in Einzelfällen temporär zu Unmut gekommen sein sollte, entschuldigen wir uns dafür“, sagte Arne Jamelle. Er appelliert aber zugleich an den gesunden Menschenverstand, wonach größtmögliche Sicherheit vorgehe. Es sei schwer vorauszusehen gewesen, wie sich der Andrang auf die acht Zonen verteilen würde.

Wenig Einsätze, keine Ausschreitungen oder Schlägereien

Zudem ließ sich schwer abschätzen, inwieweit Ortsunkundige konkrete Beschilderungen gebraucht hätten. An der Stelle räumt der Veranstalter aber besagten Optimierungsbedarf ein. Zugleich können die Macher aber Vorwürfe wie „Chaos“ nicht nachvollziehen. Zumal sowohl die Security, übrigens die gleiche Firma wie bei BVB-Heimspielen, als auch der Sanitätsdienst nichts zu meckern hatten: „Es gab keine Ausschreitungen oder Schlägereien und nur wenige Einsätze, und das ist bei so einer Großveranstaltung bis zum frühen Morgen schon bemerkenswert“, meint Jamelle.

Von der derben Kritik zeigte sich der Veranstalter dann doch überrascht. Und die Bitte vereinzelter Facebook-Mitglieder, angesichts der verkorksten Premiere doch auf eine zweite Auflage zu verzichten, bleibt so auch nicht im Raum stehen. Bei entsprechenden Optimierungsmöglichkeiten sei eine zweite Auflage 2012 auf jeden Fall denkbar, so Jamelle vom Veranstalter Visions.