Überforderte Beamtin wirft Akten in den Müll

Kurioser Vorfall in der Stadtverwaltung: Eine überlastete Frau aus dem Steueramt hat mehrere Verwaltungsunterlagen im Abfalleimer verschwinden lassen. Nachdem sie lange wegen Burnouts krank geschrieben war, war sie an ihrem alten Arbeitsplatz wieder eingegliedert worden. Ein Organisationsfehler, sagt die Stadt.

Dortmund. Im Steueramt der Stadt Dortmund hat eine Beamtin in einem Akt der Verzweiflung einen Stapel wichtiger Dokumente und Unterlagen in die Recyclingtonne geworfen. Unter den Akten befand sich etwa ein Vollstreckungshilfegesuch aus Recklinghausen. Die Frau fühlte sich an ihrem Arbeitsplatz überfordert. Kollegen haben sie bei ihrer Aktion beobachtet und konnten die Papiere sichern.

Wann geschah der Vorfall?

Der Vorfall hat sich bereits im Februar ereignet. Das Steueramt der Stadt hat aus eigenem Antrieb sechs Wochen lang recherchiert, bis es den Vorgang ans Personalamt weiterreichte. Das hat inzwischen mit Ermittlungen begonnen.

Wie konnte so etwas überhaupt passieren?

Es gibt eine Vorgeschichte: Bereits 2014 litt die Frau an Burnout und war über Monate krank geschrieben. Über die betriebliche Wiedereingliederung der Stadt wurde sie stundenweise in den Dienst zurückgeführt. Allerdings wieder an ihrem alten Arbeitsplatz.

Warum wurde die Beamtin wieder an ihrem alten Arbeitsplatz eingesetzt?

Das Wiedereingliederungs-Programm der Stadt ist so ausgelegt, dass Mitarbeiter generell für ihren angestammten Arbeitsplatz fit gemacht werden sollen. Beim Personalrat ist man jedoch der Meinung, die Stadt hätte die Frau niemals auf ihren Posten zurückkehren lassen dürfen. Die Dienststelle hätte ihre Mitarbeiterin besser schützen müssen. "Ein klassisches Organisationsverschulden", sagt Personalrats-Vize Andreas Grehl.

Ist der Stadt ein Schaden entstanden?

Nein, sagt das Presseamt. Nach allem, was man bis heute wisse, sei durch den Vorfall kein finanzieller Schaden entstanden.

Wie geht es nun in dem Fall weiter?

Seit Februar ist die Frau erneut krank geschrieben. Inzwischen rät auch der Amtsarzt dringend davon ab, die Frau erneut in der Vollstreckungsabteilung von Stadtkasse und Steueramt einzusetzen. Nach ihrer Rückkehr soll die Beamtin ein neues Einsatzgebiet erhalten.

Gregor Beushausen