Urteil setzt Flughafen Dortmund unter Druck - Miserable Noten für Gutachter

Eine Wizzair-Maschine startet vom Flughafen Dortmund
Eine Wizzair-Maschine startet vom Flughafen Dortmund
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.. Die Zeichen der Zeit stehen nicht gut für den Dortmunder Flughafen und seine Ausbaupläne. Nachdem der Regionalverband Ruhr jüngst die geplante Betriebszeitenverlängerung in Wickede als unvereinbar mit der Regionalplanung bewertet hatte, dürfte nun ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster bei der Airport-Leitung für weitere Unruhe sorgen.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster sprach deutliche Worte. Im Blick hatte es den Gutachter IVM, mit seinen Aussagen im Verfahren zum Ausbau der Stadt- und Landebahn des Flughafens Münster. Interessant dabei: IVM ist auch jener Gutachter, auf den sich der Dortmunder Flughafen gerne beruft. Darauf hat jetzt Claudia Schare, Aplerbecker SPD-Politikerin, hingewiesen.

Direkt betroffen von dem Urteil ist der Flughafen Münster/Osnabrück. Er kann seine lang gehegten Ausbaupläne vorerst wieder einpacken. Denn die Münsteraner Verwaltungsrichter haben jetzt die geplante Verlängerung der Start- und Landebahn von 2170 auf 3600 Meter untersagt - letztinstanzlich. Nur noch mit einem so genannten Planergänzungsverfahren könnte der Flughafen im äußersten Norden des Landes seine Startbahn-Träume vom neben Düsseldorf und Köln/Bonn dritten Interkontinental-Flughafen des Landes verwirklichen. Doch das Verfahren dürfte Jahre dauern.

Auenwald gegen Bruttowertschöpfung

Als Begründung für die Ablehnung nannten die Richter unter anderem viel zu optimistische Annahmen hinsichtlich der Entwicklung des Passagieraufkommens. Keine Gnade fanden dabei die vom Flughafen beauftragten Gutachter des Instituts für Verkehrswissenschaft der Universität Münster (IVM). Den vom IVM vorgelegten Datensätzen spricht das Gericht schlichtweg die Eignung ab, „eine Wahrscheinlichkeit eines Nachfrageeintritts darzutun“. Die Annahmen der Gutachter seien „in der Sache nicht überzeugend.“

Das IVM ist nun auch für den Dortmunder Flughafen tätig. Im aktuellen Verfahren um die Betriebszeitenverlängerung erstellten die Münsteraner Experten eines der vier Gutachten. Untersucht wurden die regionalwirtschaftlichen Effekte der verlängerten Flugzeiten. Für den Fall, dass in Wickede bis 23 Uhr geflogen werden könne, prognostizieren die IVM-Gutachter der Region bis 2025 dabei einen vierstelligen Jobzuwachs und eine zusätzliche Bruttowertschöpfung in Höhe von 100 Mio Euro. Grundlage der IVM-Prognose ist eine Verdoppelung der Fluggastzahlen auf 3,4 Millionen bis 2025. Im Falle Münster s schenkten die Richter der IVM-Expertise keinen Glauben, halten sie vielmehr für „teilweise unplausible und teilweise zu optimistisch“.

Erfolgreich geklagt hatten in Münster/Osnabrück übrigens nicht Anwohner, die um ihre Nachtruhe fürchten, sondern Naturschützer. Für die Verlängerung der Münsteraner Startbahn hätte ein Feuchtbiotop übertunnelt werden müssen. Die Richter entschieden sich nun für das Wohlergehen von Auenwäldern und Bachneunaugen und gegen die Belange des Airports.

 

EURE FAVORITEN