Ultra-Kneipe „Lenzstube“ in Dortmund schließt sofort

Dortmunder Fans vor der Lenzstube. Seit Montagabend ist die Kneipe geschlossen. Foto: Knut Vahlensieck
Dortmunder Fans vor der Lenzstube. Seit Montagabend ist die Kneipe geschlossen. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Die „Lenzstube“ ist vorerst geschlossen. Die Kneipe, die ein Treffpunkt Dortmunder Ultras ist, war immer wieder in den Schlagzeilen: Die Polizei musste wiederholt zu Einsätzen dorthin ausrücken.

Dortmund. Die Kneipe der Dortmunder Ultra-Gruppe „The Unity“, die „Lenzstube“ an der Hohen Straße, ist seit Montagabend geschlossen. Das gibt The Unity auf ihrer Internetseite bekannt. Der Grund ist eine einvernehmliche Einigung mit dem Ordnungsamt. Nach dem Derby gegen Schalke am vergangenen Samstag war es rund um die Kneipe zu Zusammenstößen zwischen Fans und der Polizei gekommen.

Die „Lenzstube“ - auch Stube genannt - schließt mit sofortiger Wirkung. „Wir bedanken uns bei Euch Gästen und Freunden für die vielen tollen gemeinsamen, gemütlichen Stunden und ausgelassenen Feiern!“, heißt es auf der Internetseite.

Termin beim Ordnungsamt

Am Montag hatte der Wirt noch beim Ordnungsamt vorsprechen müssen, weil es in der Vergangenheit wiederholt zu Polizeieinsätzen an dem Treffpunkt der Ultras gekommen war. Die Konzession sollte geprüft und das weitere Vorgehen besprochen werden. Im April hätte die Stube indes ohnehin geschlossen, der Pachtvertrag war bereits gekündigt, da die Ultras längst eine andere Bleibe suchen.

Das Gespräch beim Ordnungsamt sei "sehr konstruktiv verlaufen, so Stadt-Sprecher Hans-Joachim Skupsch. Die Behörde und The Unity seien einvernehmlich übereingekommen, dass die zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen für die Ultra-Gruppe nicht zu stemmen gewesen wären. Unter anderem hätten die Betreiber einen professionellen Sicherheitsdienst beschäftigen müssen. Die Stube wird nun ab sofort nicht mehr gewerblich genutzt, dient nur noch als Vereinsheim.

Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fan-Projekt sieht die Schließung der Lenzstube quasi im Herzen der City positiv. "Die Gruppe stand an der Stelle zu sehr im Fokus", so der Fan-Experte. Die Lage in der Innenstadt hatte immer wieder normale Fans in die Lenzstube geführt, etwa beim Tag der offenen Tür und natürlich nach dem Gewinn der Meisterschaft des BVB im Mai 2011.

Attacken anderer Gruppen ausgesetzt

Die Kehrseite der Medaille: Für andere Ultra-Gruppierungen präsentierte sich The Unity mit der Stube auf dem Silbertablett. Attacken wie ein Farbbeutelwurf waren die Folge. So zog die Stube durch ihre zentrale Lage auch Störenfriede an. "Vorfälle waren programmiert", so Danielsmeyer, der nun darauf setzt, dass die "vielen vernünftigen Jungs in der Gruppe" sich durchsetzen. "Die handeln sehr verantwortungsbewusst, aber einige Jugendliche übertreiben es", beschreibt der Man vom Fan-Projekt das Problem. Nach dem Umzug sei die Gruppe ungestörter und könne sich wieder verstärkt der Unterstützung des BVB, etwa durch aufwändige Choreografien, widmen.

Großer Polizeieinsatz nach dem Derby

Zuletzt hatte es nach dem Revierderby des BVB gegen Schalke einen großen Polizeieinsatz an der Lenzstube gegeben. Nach Darstellung der Polizei hatten unbekannte Personen eine Party in einer Wohnung nahe der Kneipe gestört und einige Gäste verletzt. Die Täter seien anschließend auf die Straße geflüchtet. Dort habe die Polizei einen Verdächtigen festnehmen können. Anschließend seien die Polizisten von Besuchern der Lenzstube angegriffen worden. Die Angreifer seien in die Stube geflüchtet.

Ein Augenzeuge berichtet gegenüber DerWesten von einem anderen Tathergang. Der BVB-Fan schildert, dass er plötzlich Geschrei von der Straße vernommen hätte. "Da standen Polizisten mit gezogenen Waffen und haben Gäste der Stube bedroht", so der Zeuge, dessen Aussage von einem weiteren bestätigt wird. Nachdem ein Fan einen Polizisten beleidigt habe, habe dieser mit Schlägen reagiert, woraufhin der Fan in die Stube gerannt sei. "Sonst habe ich niemanden gesehen, der in die Stube gerannt ist", sagt der Zeuge.

Die Polizei habe anschließend die Kneipe geräumt. "Der Vorstand von TU (The Unity, Anm. der Red.) war dabei sehr kooperativ", so der Zeuge. Nacheinander seien dann von den Besuchern der Stube die Personalien festgestellt und Fotos gemacht worden.

Die Polizei nimmt zu den Vorkommnissen in der Nacht nicht weiter Stellung. "Polizeibeamte sind massiv angegriffen worden", so Polizeisprecher Kim Ben Freigang. Die Polizei ermittle wegen "mehrerer Delikte", könne aus taktischen Gründen aber keine genaueren Angaben machen.

 
 

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