Turbulenzen am Boden — wie geht es weiter am Flughafen Dortmund?

Michael Kohlstadt
Bei den Betriebszeiten ist am Flughafen Dortmund noch Luft nach oben.
Bei den Betriebszeiten ist am Flughafen Dortmund noch Luft nach oben.
Foto: WAZ-Fotopool
Vor fast drei Jahren hat der Flughafen Dortmund einen Antrag auf Betriebszeiten-Verlängerung gestellt. Seither hängt das Verfahren in der Luft. Die Bezirksregierung Münster muss entscheiden, ob abends im Schnitt eine halbe Stunde später gestartet und gelandet werden darf — aber vorher steht ein fünftägiges Bürgerforum an.

Dortmund. Es ist ruhiger geworden am Himmel über Dortmund. Auch wenn der neue Stern am Firmament des Flughafens, Billigflieger Ryan Air, an den Höhenflug der Startbahn Ruhrgebiet zum Ende der Neunziger anknüpfen soll: Selbst mit dem Rückenwind der überraschenden Punktlandung der Iren im März dürfte die Zahl der Fluggäste so schnell nicht über die Zwei-Millionen-Grenze wachsen. Trotz sonniger Reiseziele wird Ryan Air zunächst kaum mehr erreichen, als die trüben Aussichten zu vertreiben, die sich nach dem plötzlichen Abflug von Easyjet und Air Berlin eingestellt hatten.

Die eigentlichen Turbulenzen um das Wickeder Flugfeld spielen sich derzeit ohnehin am Boden ab. Lufthoheit über das Zukunftsszenario des einzigen Airports mit internationalem Anschluss innerhalb des Ruhrgebiets hat die Bezirksregierung Münster. Als zuständige Flugaufsicht sitzt sie am Drücker in der Frage, ob in Dortmund bald bis 22.30 Uhr gestartet und bis 23 Uhr gelandet werden darf – im Schnitt ein halbes Stündchen länger als bisher.

Antrag auf Betriebszeiten-Verlängerung 2010 gestellt

Ende 2010 hatte der Flughafen – mit Rückendeckung der Dortmunder Ratsmehrheit – den Antrag auf Betriebszeitenverlängerung gestellt. Seither hängt das Verfahren in der Luft. Das ist kein Wunder, musste Münster neben dem Antrag des Flughafens 15 000 Einwendungen besorgter Bürger sichten, die dahinter des Teufels Generalplan zur Ausweitung des Flughafenbetriebs nebst neuerlicher Verlängerung der Landebahn über die bisherigen 2000 Meter hinaus vermuten.

Seit mehr als zwei Jahren läuft das Verfahren. Und weil Bürgerbeteiligung angesagt ist, hat die Bezirksregierung einen Anhörungstermin drangehängt, dessen Ergebnisse und Protokolle wiederum gesichtet werden müssen. Vor Jahresende, so die Signale aus Münster, ist mit einer Entscheidung über den Antrag nicht zu rechnen.

Einwendungen, Bedenken und Anregungen von Bürgern

Obwohl verfahrensrechtlich nicht verpflichtet, räumt die Bezirksregierung Ende April nochmals die Möglichkeit ein, Einwendungen, Bedenken und Anregungen vorzutragen. „Wir wünschen uns eine offene und konstruktive Diskussion“, heißt es in der Einladung zu einer Veranstaltung. Das Pro und Contra-Forum tagt fünf Tage in der Westfalenhalle 8, Mittagspausen und Kinderbetreuung inklusive. Bis zu 2500 Menschen passen in die kongressbestuhlte, 5000 Quadratmeter große Messehalle.

Wie teuer die „Mehr Demokratie wagen“-Sause für den Steuerzahler wird? Darüber lässt sich nur spekulieren. Westfalenhallen und Flughafen, beide hundertprozentige Stadttöchter, schweigen sich auf Nachfrage über die Kosten aus. Sicher ist nur: Tragen muss sie der dauerdefizitäre Airport als Antragsteller. Legt man die bei den Westfalenhallen übliche Tagungspauschale von 32 Euro pro Person zu Grunde, könnte der Betrag in den sechsstelligen Bereich klettern.

Schutzgemeinschaft Fluglärm ist skeptisch

Allerdings sind Zweifel angebracht, ob die Diskutanten in den erwarteten Scharen in die Halle strömen. Wer hat schon Zeit, täglich zwischen 9 und 18 Uhr in eine mutmaßlich langatmige Debatte über passiven Schallschutz, Raumordnung und Umweltverträglichkeitsprüfungen einzusteigen?

Selbst die Schutzgemeinschaft Fluglärm (SGF) mit 1500 Mitgliedern in Dortmund, Unna und Umgebung ist skeptisch. „Wird sich etwas ändern?“, fragt SGF-Vorsitzende Ursula Wirtz. Die Fakten lägen auf dem Tisch. Ohnehin sind die Fluglärm-Bekämpfer gebrannte Kinder. Sie erinnern sich an die letzte Mammutveranstaltung ‘98. Da ging es schon einmal um eine Verlängerung am Airport. Neun Tage debattierte man in den Westfalenhallen über die Folgen eines Ausbaus. „Pro Tag kamen nicht mehr als hundertfünfzig Teilnehmer“, so Ursula Wirtz. Das Ende vom Lied: Die Startbahn wurde – wie vom Flughafen gewünscht – auf 2000 Meter ausgebaut.