Trotz Kostenexplosion sieht Stadt Dortmund U-Turm auf gutem Weg

Nadine Albach
Das Dortmunder U in der Spiegelung. (Foto: Ralf Rottmann/WAZ FotoPool)
Das Dortmunder U in der Spiegelung. (Foto: Ralf Rottmann/WAZ FotoPool)
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. 10 Millionen Euro soll die Stadt jährlich für den U-Turm bezahlen – eine drastische Steigerung zu den noch 2006 angenommenen 3,8 Millionen Euro jährlichen Kosten. Außerdem hat die Bezirksregierung Arnsberg ihr Veto gegen die Gründung einer Stiftung eingelegt, die das hierarchische Chaos des Kreativturms lösen sollte. Nichtsdestotrotz hält Kämmerer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann daran fest, dass sich die Stadt nicht mit dem Projekt übernommen hat. In einem gestern eilends einberufenen Pressegespräch erklärte er: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das gut geht.“

Mehr noch: Stüdemann verteidigte die Entwicklung der Baukosten (von insgesamt 55 auf 84 Millionen Euro) und der jährlichen Folgekosten als „nicht skandalös“ und sachlich begründbar.

Getummel

Bei der allerersten Schätzung der jährlichen Kosten sollte das U noch ein reines Museum werden (mit drei Etagen im Rohbauzustand) – und außerdem in den Besitz der Stadt wandern. Jetzt ist der Turm ein Kreativzentrum, in dem sich Museum Ostwall, Hartware MedienKunstVerein, Hochschulen und die „Fliegenden Bilder“ von Regisseur Adolf Winkelmann auf allen sechs Etagen tummeln. Und er gehört dem städtischen Sondervermögen, an das die Stadt Miete zahlen muss. Den Eindruck, dass hier das Prinzip „Linke Tasche, Rechte Tasche“ angewandt wird, will Stüdemann aber nicht zulassen.

Fakt bleibt dennoch: Die Kosten für 2012 sollen bei 9,6 Millionen Euro liegen (5,8 für Betrieb und 3,8 für Miete) – also gut 3,46 Millionen Euro mehr, als der U-Turm noch in diesem Jahr gekostet hat. 2013 steigen die Gesamtkosten sogar wegen der Mittel für die Instandhaltung noch einmal um gut 600 000 Euro auf über 10 Millionen.

Zahlengrab

Ein Zahlengrab. Und doch geht Stüdemann davon aus, dass die Stadt darin nicht versinken wird: „Ich traue uns zu, dass wir das selbst erwirtschaften“, sagt er zuversichtlich. Die gestiegenen Mietkosten will er „durch Flächenmanagement“ reinbekommen. „Wir komprimieren die Verwaltung in der ganzen Stadt“, erklärt er. Das heißt, dass zum Beispiel die Kulturbetriebe zu ihm in das Stadthaus ziehen müssen. Wenn das nicht reicht, plant er weitere Sparmaßnahmen im Kulturbereich – zum Beispiel, indem die Stadt freie Häuser von Vereinen managen lässt. „Wir müssen selbst eine Lösung finden. Man kann nicht erwarten, dass alle überall sparen und plötzlich kommen wir mit dem U um die Ecke“, erklärt er, dass andere Bereiche nicht zur Kasse gebeten soll. Ob aber das Theater bluten muss? „Das Theater gerät nicht in den Sog des U-Turms, es gerät in den Haushaltssog“ ist die kryptische Antwort. Immerhin sagt Stüdemann aber, dass das Ende erreicht ist: Die Betriebskosten für den U-Turm sollen nicht weiter steigen.

Stiftung abgelehnt

Eine andere Baustelle ist die unübersichtliche Führungsstruktur im U. Gründungsdirektor Dr. Andreas Broeckmann war schon im Oktober nach Lüneburg gegangen. Und selbst in der jüngsten Vorlage der Stadt wird eingeräumt, dass die Abstimmung zwischen den vielen Nutzern und Partner im Hause „zeit- und kostenaufwendig“ sei und nicht immer der „Eindruck der Geschlossenheit und des abgestimmten Handelns“ rüberkam. Mit der Gründung einer Stiftung sollte eine klare Hierarchie her. Doch obwohl die Stadt einiges Geld in die Vorbereitung investierte, hat Arnsberg dem Vorhaben jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht: Dass die Stadt eine Stiftung mit jährlich acht Millionen Euro langfristig unterstützen müsse, ist der Bezirksregierung mit Blick auf klamme Kassen zu brisant.

Gemeinnützige GmbH

Deswegen will Stüdemann jetzt eine gemeinnützige GmbH gründen – eine Form, mit der auch schon das Dortmunder Konzerthaus und in Zukunft das DFB-Museum betrieben werden. Eine Förderstiftung soll dann Spenden und Kunstgegenstände von betuchten, kultureifrigen Mitbürgern entgegennehmen.

Kurzum: Der U-Turm ist eine echte „Kraftanstrengung“, auch in den Augen von Stüdemann – aber eine, die sich aus seiner Sicht lohnt. „Es geht nicht nur um Kultur, sondern auch um Arbeitsplätze und Stadtentwicklung.“ Dafür will er weitere Gelder einwerben. Vor allem aber glaubt er an die Massentauglichkeit des U-Turms: „Wir werden 170 000 bis 200 000 Besucher bis Ende des Jahres erreichen.“