Trommeln für soziale Veränderung

Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Seit über 100 Tagen sind einige Wohnungen am Borsigplatz Kunst: Jochen Gerz hat 31 Mieter mit dem Kulturhauptstadt-Projekt „in die Oesterholz-, Schlosser-, Dreher- und Dürener Straße gelockt und damit - mit Ablegern in Duisburg und Mülheim an der Ruhr - eine riesige Ausstellung geschaffen.

Jetzt sprießen die ersten Ideen der neuen Mieter.

Ziel von Jochen Gerz ist es, die drei Straßen in sozialen Brennpunkten der drei Städte zu verändern und einen gesellschaftlichen Prozess anzustoßen. Eine Idee, die die neuen Mieter nun im Kleinen umzusetzen suchen:

Peter Debusi zum Beispiel gibt, was in dieser Welt besonders kostbar ist: Er wandelt derzeit am Borsigplatz entlang und verteilt Visitenkarten, mit denen er sich als „Zeitverschenker” anpreist. In dieser Woche können sich Menschen bei ihm melden, um von ihm Zeit zu empfangen. Er hört zu, kommentiert, erzählt - je nach Bedarf. Wer den hat, der kann Debusi um einen Termin ersuchen: 1897169 oder paulosi@gmx.de.

Auch Farsin Chakidiki (37) gehört seit Anfang Januar zum Ensemble Borsigplatz: „Ich habe einfach Spaß, dabei zu sein”, sagt er unbefangen. Anpassungsschwierigkeiten hat der Sozialpädagoge keine - schließlich lebte er zuvor acht Jahre im sozialen Brennpunkt in Essen. Er glaubt daran, Veränderungen anstoßen zu können. „Dafür reichen ja wenige Leute, die etwas unternehmen.” Allerdings ist er skeptisch, dass so etwas in einem Jahr zu bewerkstelligen ist. Zumal es Zeit brauche, Kontakt mit den alten Mietern aufzunehmen. Eben deshalb plant Musiklehrer Chakidiki im Mai eine Trommelsession: Mit 30 Trommeln will er die Bewohner locken, gemeinsam ihren Rhythmus zu finden. „Musik ist ja sowas wie eine eigene Sprache.”

Andere Mieter planen ein Backgammon-Turnier unter freiem Himmel, proben an einem Zimmertheater, das in den Wohnungen stattfindet oder wollen das tägliche Buch-Schreiben, das obligatorisch für alle neuen Mieter zum Projekt gehört, in die Öffentlichkeit verlegen.

Besichtigungen: 0231-1897169.

Fotos: Ralf Rottmann

 
 

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