Traum einer Ausstellung – Junge Kunst im Dortmunder U

Der Hardware Medienkunstverein zeigt Arbeiten von Barbara Breitenfellner im U-Turm. Foto: Vahlensieck
Der Hardware Medienkunstverein zeigt Arbeiten von Barbara Breitenfellner im U-Turm. Foto: Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Der Staub ist weniger und beherrschbarer geworden, der Lärm hat sich gelegt – auf der Großbaustelle Dortmunder U geht’s merklich voran. Auch, wenn die Dach-Terrasse vielleicht im Sommer noch keine Besucher lockt, oder der zentrale Platz vorm Eingang ausgerechnet in der Freiluft-Saison in Angriff genommen wird. Gründungsdirektor Andreas Broeckmann bleibt mittlerweile gelassen. Hauptsache keine x-te Eröffnung mehr, sondern Zug um Zug Kunst, die den früheren Bier-Kühlschrank mit Kreativität und Kunst füllt.

Das Frauenfilmfestival im neuen RWE-Forum kommt im April, danach wollen die Technische Universität und Fachhochschule endlich die erste Etage in Besitz nehmen, das Ostwall-Museum ist schon da (4., 5. und 6. Etage), in der Kathedrale in Stockwerk 7 gibt’s zum atemberaubenden Rundumblick auch schon ein kühles Getränk.

Mit seiner ersten Ausstellung in diesem Jahr, der insgesamt fünften im U-Turm, festigt der jüngst von der Kunststiftung NRW mit dem begehrten „Jump“ ausgezeichnete Hartware MedienKunstVerein (HMKV) seinen Ruf als Vorreiter und gute Kunst-Adresse in der 3. Etage. Und diesmal wird Junge Kunst gezeigt. „Künftig einmal im Jahr“, kündigt Dr. Inke Arns an, Kuratorin und künstlerische Leiterin des HMKV. Zum Auftakt stehen der Berliner Künstlerin Barbara Breitenfellner (Jahrgang 1969), die an der Glasgow School of Art studierte, die 900 Quadratmeter komplett zur Verfügung. Hier verwirklicht sie ihren „Traum einer Ausstellung“ mit zwei raumgreifenden Installationen und 20 Collagen im Grafik-Kabinett. Die gebürtige Österreicherin mit familiären Wurzeln in Dortmund hat ihre Träume gesammelt und notiert: Träume von Kunst. Zwei davon setzt sie jetzt im HMKV um.

In dem einen träumt sie von einer Ausstellung in einem großen Museum, „die ganzen Ölschinken hingen weit oben an den Wänden, der Boden war mit einem psychedelischen Zickzackteppich belegt. Auf dem Teppich stand wie eine feste Bronzeskulptur ein feister Nobelschlitten“. Breitenfellner hat sich für einen 911er Porsche mit Totalschaden in Schräglage entschieden, das Gegenteil von Luxus und Glamour (auch in der Kunstwelt). Die alten Schinken hängen kopfüber fast unter der Decke und bilden die unwirkliche Kulisse für Breitenfellners neu erzählte ironische Geschichten.

Der zweite Traum dreht sich um Joseph Beuys tagelange Performance mit einem liegenden Gorilla. Breitenfellner lässt einen Gorilla in Beuys-Weste auftreten, flankiert von Podesten, auf denen andere Raubtiere ihren Platz einnehmen könnten. Der große Raum wird von einer Leuchtwand dominiert, erinnert an Jahrmarkt oder eben Zirkus.

„Traum einer Ausstellung“, der Name ist Programm und lädt die Besucher ein, sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu bewegen, Ebenen aufzulösen, erdachten Figuren Leben einzuhauchen. Zum Beispiel dem Gorilla. Das ist auch ein bisschen unheimlich.

 
 

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