"Train of Hope"-Vorstandsmitglied unter Betrugsverdacht

Erst im Oktober wurde der Flüchtlingshilfe-Verein "Train of Hope" gegründet - jetzt beschäftigt er bereits Polizei und Gerichte. Es geht um Betrugsvorwürfe, Bedrohung und Unterschlagung. Die Hintergründe erinnern eher an einen Wirtschaftskrimi als an eine Hilfsaktion.

Dortmund. Der Verein ging aus der Willkommensaktion für Flüchtlinge am Hauptbahnhof und im Dietrich-Keuning-Haus im September hervor. Anfang Oktober wurde er gegründet, um der ehrenamtlichen Hilfe mehr Struktur zu geben. Die offizielle Eintragung ins Vereinsregister steht noch aus. Doch jetzt ist der Vorstand weniger mit Hilfe, sondern mehr mit sich selbst und vehementen Vorwürfen beschäftigt.

Im Mittelpunkt steht der bisherige Vize-Vorsitzende Cem E.. Ein Mann mit interessantem Vorleben. Denn unter dem Namen Mark W. hatte er unter anderem im Jahr 2008 in Bochum für Schlagzeilen gesorgt. Als Geschäftsführer einer "Agentur für Kommunikation" soll er Firmen getäuscht und geprellt haben. Er habe damals eine Firma "an die Wand gefahren", räumte E. alias W. gegenüber unserer Redaktion ein.

Betrugsvorwürfe

Aber auch später tauchte der Name W. immer wieder im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen auf. Inzwischen lebt W. als Cem E. in Dortmund, engagierte sich bei der Hilfsaktion für Flüchtlinge am Hauptbahnhof, die unter dem Titel "Train of Hope" (Zug der Hoffnung) bekannt wurde. Hier machte sich E. mit einem emotionalen Videofilm der Hilfsaktion einen Namen, der auf der Internet-Plattform Youtube weite Verbreitung fand.

Er habe über 600 Stunden ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe gearbeitet, habe Flüchtlinge nachts vom Bahnhof in die Erstaufnahme nach Hacheney gefahren, sie eingekleidet und mit Lebensmittel versorgt, erklärt E.. Anfang Oktober wurde er dann zum zweiten Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins "Train of Hope" gewählt.

Doch jetzt fiel er in Ungnade. E. soll Barspenden angenommen haben. Und es soll zu Unstimmigkeiten bei der Anmietung eines Lagerraums für Spenden gekommen sein. "Es wurde von Vorstandsmitgliedern des Vereins Anzeige erstattet wegen des Verdachts der Unterschlagung, Bedrohung und des Betrugs", erklärt Polizeisprecher Oliver Peiler. Der Beschuldigte soll "Zuwendungen und Spenden an den Verein betrügerisch erlangt und unterschlagen haben." Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, stünden aber erst am Anfang, betont Peiler.

E./W. hat nach eigenen Angaben selbst Anzeigen erstattet, sieht sich zu Unrecht am Pranger. Er habe sich niemals bereichert. Als Vize-Vorstand sei er "aus privaten Gründen" zurückgetreten.

Namensänderung

Auch das mit dem geänderten Namen kann er erklären. Durch Heirat habe er den Namen E. angenommen, den - noch nicht amtlichen - Vornamen Cem durch Konvertierung zum Islam. Das habe er auch dem Vereinsvorstand nicht verschwiegen. Schließlich habe er bei der Vereinsgründung laut Protokoll seinen Namen mit Cem M. E. angegeben.

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