Totschlag-Prozess um Fenstersturz einer Prostituierten in der Nordstadt Dortmund

Ein Freier warf die Prostituierte Temenuzkla Y. im August kopfüber aus einem Fenster – sagt die Staatsanwaltschaft und klagt den Mann wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung an. Das Opfer überlebte und sitzt im Rollstuhl.

Dortmund. Die Frau ist ein Bild des Jammers. Zusammengesunken sitzt Temenuzkla Y. (25) im Rollstuhl, sieht ängstlich um sich. Seit dem frühen Morgen des 17. August 2011 ist die 25-Jährige ein Pflegefall. Seit jenem Tag, als ein Freier die Prostituierte nach einem Streit um Sex für 20 Euro mit den Worten „Jetzt bist du tot“ kopfüber aus dem Fenster auf die Straße warf – so sieht es die Staatsanwaltschaft

Seit gestern muss sich der Freier Christopher P. (25) wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung im Dortmunder Schwurgericht verantworten. Der letzte Strafbestand wird äußerst selten angeklagt: „Es muss eine dauerhafte Schädigung vorliegen“, erklärte Rechtsanwalt Christian Simonis, der die Interessen des Opfers vertritt. Und das ist bei der Frau aus dem bulgarischen Plovdiv gleich mehrmals der Fall: Bevor sie aus dem ersten Stock geworfen wurde, so wirft Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper dem Mann vor, stach er mehrmals mit einem Messer auf die Frau ein und verprügelte die Schwerverletzte.

Staatsanwaltschaft hält Angeklagten für Gefahr für Gesellschaft

Mit aufmerksamer Miene, die Hände vor sich gefaltet, hört Christopher P. all diese Anklagepunkte. Ein intelligent aussehender junger Mann mit feinen Gesichtszügen. Er hört, dass Temenuzkla Y. nach einer komplizierten Beckenfraktur unter einer „dauerhaften Gehbehinderung“ leidet. Hört, dass ihr ein Großteil des Dünndarms wegoperiert werden musste. Was er nicht hört: Die 25-Jährige lebt seit einem Monat in einem Pflegeheim, nach Aussage ihres Anwaltes kann sie sich nicht ohne Hilfe waschen, nicht allein duschen.

Die Staatsanwaltschaft sieht in Christopher P. mehr als einen Freier, der ausrastete. Sie hält ihn für eine Gefahr für die Gesellschaft, vor allem für Frauen. Weil er 2006 mit einem Teppichmesser auf seine Freundin einstach, wurde er zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Im Falle eines Schuldpsruchs droht ihm jetzt zusätzliche die Unterbringung in die Psychiatrie oder die anschließende Sicherungsverwahrung. Am 1. März will er sich äußern, so Verteidigerin Susanne Renner. Ein Geständnis sei nicht zu erwarten.