Thyssengas-Zentrale zieht an den U-Turm

Es ist eine kreative Umwidmung: Das groß angekündigte Kreativwirtschaftszentrum direkt am U-Turm wurde klammheimlich zu den Akten gelegt. Wo eigentlich junge Kreative werkeln sollten, zieht nun die Zentrale der Firma Thyssengas ein.

Dortmund. Die Geschichte des Gebäudes im Schatten des U-Turms geht acht Jahre zurück. Wir zeichnen nach, wie sich die Pläne zum Kreativwirtschaftszentrum entwickelt haben.

Eine kleine Chronik:

2007/2008 wurde zwischen der damaligen schwarz-gelben Landesregierung und der Stadt hart um eine Landes- und EU-Förderung für den Umbau des U-Turms gerungen. Am Ende bewilligte die Regierung Rüttgers gut 32 Millionen Euro - unter der Maßgabe, dass das Dortmunder U nicht nur ein Museum, sondern ein Zentrum für Kreativwirtschaft wird. "Das Gesamtgelände muss gelingen", forderte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers damals.

Dazu sollte ein Neubau nördlich des U-Turms entstehen. Die Richtung dafür gab der damalige Stadtdirektor Ullrich Sierau 2007 so vor: Beim geplanten Investoren- und Städtebauwettbewerb für die Entwicklung des Areals nördlich des U-Turms soll speziell auf die Kulturwirtschaft abgehoben werden.

2008 wurde ein "Kompetenzzentrum für Kreativwirtschaft" in die europaweite Ausschreibung für den Bau des Berufskolleg-Komplexes am U-Turm aufgenommen. Das Ergebnis war allerdings mager.

2009 wurde deshalb eine Änderung der Ausschreibungskriterien beschlossen. "Dazu zählt insbesondere auch eine zeitliche Befristung der Branchenbindung für das privatwirtschaftliche Invest des Kreativwirtschaftlichen Zentrums, um das wirtschaftliche Risiko für die Bieter zu begrenzen und eine Erhöhung der Miete für die von der Stadt Dortmund anzumietenden Berufskollegs zu verhindern", heißt es in einer Erklärung der Stadt.

2013 bekam nach jahrelangem Rechtsstreit um die Vergabe ein Konsortium aus den Firmen Kölbl-Kruse und Hochtief den Zuschlag für das Bauprojekt. Dazu gehören zwei Berufskollegs, die von der Stadt für rund 4,6 Millionen Euro im Jahr angemietet werden und ein Kompetenzzentrum für Kreativwirtschaft, das der Bauherr selbst vermarkten sollte.

Bindungsfrist abgelaufen

Was nicht öffentlich gemacht wurde, ist die Tatsache, dass die Vorgabe für eine Vermietung als Kreativwirtschaftszentrum nur für zwei Jahre bindend war. Diese Bindungsfrist ist jetzt, obwohl das Gebäude noch gar nicht fertig ist, schon abgelaufen.

Dafür ist es aber jetzt schon vermietet: an die Firma Thyssengas, die im Frühjahr 2016 ihre Hauptverwaltung mit 190 Mitarbeitern von der Kampstraße direkt an den U-Turm verlegt. "Mit Ablauf der vertraglichen Bindungsfrist der Immobilie für die Kreativwirtschaft ist es uns gelungen, Thyssengas für die Immobilie zu gewinnen", erklärt der Dortmunder Wirtschaftsförderung-Chef Thomas Westphal.

Der Wirtschaftsförderer ist "froh über dieses Ergebnis": "Wir haben mit Thyssengas den führenden Netzregulierer der deutschen Gaswirtschaft dauerhaft an Dortmund gebunden. Das ist eine sehr gute Nachricht für den Dortmunder Arbeitsmarkt und für die Gewerbesteuerkraft unserer Stadt", betont Westphal.

"Längstes Kreativzentrum" an der Rheinischen Straße

Und was wird aus den großen Plänen für die Kreativwirtschaft am U-Turm? Das "kreative Potenzial rund um den U-Turm" soll nun im gesamten Union-Viertel rund um die Rheinische Straße umgesetzt werden. "Hier entsteht derzeit das längste Kreativzentrum in Dortmund", so Westphal.

Übrigens: Auch wenn die Landesregierung 2008 so großen Wert auf die kreativwirtschaftliche Note rund ums U gelegt hat, hat die Umwidmung des Neubaus in eine normale Büronutzung für die 2008 gewährte Landesförderung für das Gesamtkonzept U-Turm keine Auswirkungen, teilt die Stadt mit.

Oliver Volmerich