Thier-Galerie soll in Dortmund Sogwirkung entfalten

Das neue Dortmunder Einkaufszentrum, die Thier Galerie, ist einen Monat vor offizieller Eröffnung noch Baustelle, lässt aber manche Passanten auch schon neugierige Blicke werfen.
Das neue Dortmunder Einkaufszentrum, die Thier Galerie, ist einen Monat vor offizieller Eröffnung noch Baustelle, lässt aber manche Passanten auch schon neugierige Blicke werfen.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.. Wie wirkt sich die Thier-Galerie auf den Einzelhandel in der Innenstadt von Dortmund aus? Sind große Einkaufszentren mitten in der Stadt Fluch oder Segen? Kontroversen Diskussionen über ECE folgte oft die große Überraschung.

Am 15. September eröffnet die Thier-Galerie am Westenhellweg. 33 000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche für Dortmund. Rund 130 Einkaufscenter betreibt Projektentwickler ECE europaweit. Seit 1965. Vor allem Händler in Mittelstädten haben oftmals gelitten unter dem neuen Angebot. Die WR hat sich nun in vergleichbaren Großstädten umgehört, in denen ein ECE-Center in den letzten Jahren eröffnet hat.

Nachgefragt haben wir bei Experten vor Ort, in den Lokalredaktionen der betreffenden Städte. Wie lief die Diskussion vor Ort? Welche Auswirkungen für den angestammten Handel haben die Einkaufspaläste nach sich gezogen? Ist es zu Leerständen gekommen? ECE-Center – Fluch oder Segen?

An allen Standorten war es ähnlich. Im Vorfeld gab es eine kontroverse Diskussion. Egal, ob Dresden, Braunschweig oder Hannover. Die alte Kaufmannschaft befürchtete das Schlimmste: Abzug der Kunden, Einnahmeverluste, Leerstände. Es ist längst nicht überall dazugekommen. Wenn, dann in den Randlagen der Innenstädte.

Und die Mieten der alten 1A-Lagen? Sind sie gesunken durch das neue Flächenangebot? Eher nicht.

Essen — Limbecker Platz. 70.000 Quadratmeter. Gesamteröffnung 2009.

„Unterm Strich“, bilanziert Frank Stenglein, Leiter der Essener Lokalredaktion der WAZ, „hat es genutzt.“ Der sogenannte Zentralitätsgrad hat angezogen. Heißt: Das ECE-Center wirkt als Magnet, es zieht Kunden an. Die Essener Innenstadt, so Stenglein, hatte vorher an Ruf und Kunden verloren, somit sei völlig offen, ob es ihr jetzt besser ginge, wenn es das Center nicht gäbe. Nach Stengleins Meinung wäre es falsch gewesen, den Palast am Limbecker Platz nicht zu bauen.

Hannover — Ernst-August-Galerie. 30.000 Quadratmeter. Eröffnung Oktober 2008.

Volker Goebel, Leiter der Lokalredaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung berichtet von großer Besorgnis der Geschäftsleute der Leinestadt im Vorfeld des Baus des großen Centers. Aber im Grunde belebe die Galerie jetzt die gesamte Innenstadt. Die HAZ habe selbst den ansässigen Einzelhandel befragt, aber es gebe kaum unmittelbare Folgen der Ansiedlung. Das Ganze sei allerdings auch zu organisch eingebunden. Ziel der Verantwortlichen der Stadt sei es, Hannover für so viele Menschen wie möglich attraktiv zu machen. „Dazu trägt die Galerie bei“, sagt Volker Goebel.

Dresden — Altmarkt-Galerie. 44.000 Quadratmeter. Eröffnung 2002, Erweiterung 2011

Karla Tolksdorf erinnert sich genau. „Jeder hat gefragt im Vorfeld, wie sich das vertragen soll“, sagt die stellvertretende Chefredakteurin der Dresdner Neueste Nachrichten. In der Realität laufe es aber gut. Das mag allerdings auch damit zusammenhängen, dass Sachsens Landeshauptstadt Dresden sich zu einer Einkaufsmetropole entwickelt. „Bei uns kommen die Kunden auch aus Russland, Polen oder Tschechien, weiß Tolksdorf. Vieles sei in Dresden entstanden, und auch die Altmarkt-Galerie von ECE trage zu dem Sog ins Umland bei. Die Kaufkraft sei vor Ort natürlich nicht gewachsen. Es gehe den Dresdenern aber gut.

Braunschweig — Schloss-Arkaden. 30.000 Quadratmeter. Eröffnung März 2007.

Jörn Stachura, Redakteur der Braunschweiger Zeitung, gehörte selbst zu den Skeptikern. Seine Bilanz heute: „Braunschweig hat gewonnen.“ Hoch umstritten war das Projekt in Braunschweig. „Ein Riss ging durch die Kaufmannschaft“, so Stachura.

Heute hätten sich die Gemüter beruhigt, obwohl es immer noch Braunschweiger gebe, die stolz berichten, noch nie einen Schritt in die Schloss-Arkaden gesetzt zu haben. Das Projekt habe für einen Zentralitätsschub gesorgt. Es sei aber auch auf vielen Ebenen begleitet worden. Kaufleute und Stadtmarketing haben Konzepte für Käufer aus dem Umland entwickelt. Auch mit Steuermitteln wurde die städtebauliche Randlage durch neue Erschließungen abgefedert.

Probleme, weiß Stachura, gibt es aktuell an jenen Standorten, die am weitesten von den ECE-Arkaden entfernt liegen. Die Stadt fördere dort aber Initiativen der Händler. Und noch zwei Effekte: Der Kohlmarkt, vorher 1A-Lage für Händler, sei nun ein Standort für die Gastronomie-Szene. Und Mieten in den 1A-Lagen seien nicht gesunken, so wie es manche Experten vorhergesagt hätten.

Hameln — Stadt-Galerie, 19.000 Quadratmeter, März 2008

In Hameln sind mehr Leute in die Stadt gekommen seit ECE eröffnet hat. Frank Werner, Chefredakteur der Deister- und Weser-Zeitung, zitiert dabei aber aus einem ECE-Gutachten. Der Erfolg beträfe Galerie und Fußgängerzone. Aber Werner weiß auch von Verlierern zu berichten. „Die Zentralität wird neu vermessen.“ Je weiter der Standort vom ECE-Projekt entfernt liege, desto mehr Verlierer gebe es. Die Diskussion darüber habe aber nachgelassen. Zudem: In den Anrainer-Straßen liefe es gut. Werner: „Unterm Strich dominiert der Zugewinn.“

 
 

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