Thier-Galerie in Dortmund am Westenhellweg wegen hoher Miete für viele zu teuer

Die Rotunde im ehemaligen Berlet-Haus besitzt einen goldfarbenen Abschluss.
Die Rotunde im ehemaligen Berlet-Haus besitzt einen goldfarbenen Abschluss.
Foto: WAZ FotoPool
„Das Ding ist zu teuer, die Miete zu hoch. Das kann man gar nicht verdienen“, winkt Erich Berlet im WAZ-Gespräch ab. Eigentlich wollte sein Unternehmen zurück in die City - in die neue ECE Thier-Galerie. Berlet verzichtete aber.

Dortmund.. Neben Berlet, das eine Option für eine Fläche von 3500 Quadratmetern nicht wahrnahm, verzichten auch andere Unternehmen auf einen Standort in der großen Einkaufsgalerie am Westenhellweg. Auch die Führung von Media Markt, die gerne einen Fuß auf den Dortmunder Markt gesetzt hätte, strebt nicht mehr in die Thier-Galerie.

Die Stellungnahme einer Media Markt-Sprecherin: „In dem Einkaufszentrum Thier-Galerie waren keine geeigneten Flächen für die Ansiedlung von Media Markt erhältlich, weswegen wir eine Ansiedlung in diesem Center nicht vornehmen konnten.“ Saturn fällt als Mieter aus: Für die Dortmunder Filiale, die direkt um die Ecke zur Thier-Galerie liegt, lohnt sich der Umzug nicht. Und Wettbewerber schreckt die Stärke der Saturn-Filiale eher ab, wie Branchenkenner bestätigen.

Wissen muss man auch, dass sowohl Saturn wie auch der Media Markt zur Metro-Gruppe gehören. Bei der Mutter herrschen - auch angesichts der 2010 eher sparsamer sprudelnden Gewinne der Elektronik-Töchter - keine Vorlieben für die Idee, die eigenen Töchter in Dortmund gegeneinander antreten zu lassen. Alexander Crüsemann, vom ECE Center-Management gestern: „Ein Elektronikmarkt ist nicht vorgesehen.“

Was bereits jetzt als Rekord zu vermelden ist: einzelne Mieten für kleinere Ladenflächen. Da wird sogar das Niveau der Goldmeile Westenhellweg noch einmal getoppt: Nach Informationen der WAZ wurde bereits für Teilflächen eine Quadratmetermiete von über 400 Euro vereinbart. Allein die „Center-Kosten“ (Nebenkosten) übertreffen pro Quadratmeter die Kaltmieten für Top-Bürolagen.

Bewegung bei Mieten

Die Rekord-Mieten auf der einen Seite könnten schnell zu bröckelnden Mieteinnahmen im Umfeld des ECE-Centers führen, wie Immobilienmakler bereits seit dem Baustart für die Thier-Galerie voraussagen. Vor allem in „B- und C-Lagen“ könnten Vermieter Probleme bekommen: weil Firmen in die Thier-Galerie umziehen und diejenigen, die bleiben, mit Umsatzverlusten durch die Konkurrenz im ECE-Center zu rechnen haben.

Noch gibt es keine offizielle Mieterliste, auch wenn ECE bereits beim Richtfest im Herbst 2010 eine ganze Reihe der angestrebten 150 Mieter benannt hatte. Vor allem der Ankermieter für das Textilangebot gibt noch Rätsel auf. Das gilt auch für die aus Irland kommende Preiswert-Textilkette Primark, der ECE 6000 qm vermieten will, die Fläche, die ursprünglich für Elektronik vorgesehen war. „Wir haben noch keinen Mietvertrag unterschrieben. Unsere Priorität liegt erst einmal in der Eröffnung unserer Filiale in Essen an der Kettwiger Straße, wo wir Mitte 2011 eröffnen wollen,“ erklärt Wolfgang Krogmann, Primark-Geschäftsführer für Nordeuropa, im Gespräch mit der WAZ. Durchaus denkbar ist, dass Primark noch um die Miethöhe pokert - oder doch nicht nach Dortmund kommt.

Textil-Sortimente

Angeblich bereits angemietet haben soll eine chinesische Textilkette eine große 4000 qm messende Fläche. Interessant wird es sein, zu beobachten, ob - durch den Ausfall eines großen Elektronik-Marktes - die im städtebaulichen Vertrag zwischen ECE und der Stadt vereinbarten Flächenvolumen für einzelne Sortimente eingehalten werden können. Insbesondere das Thema Fläche für Textilien hatte im Vorfeld der Zustimmung des Rates zu den ECE-Plänen für ein Tauziehen gesorgt. Nun wacht der Konsultationskreis Einzelhandel darüber, dass die getroffenen Vereinbarungen auch eingehalten werden: Von den 33.000 qm Verkaufsfläche (davon rund 5500 qm im ehemaligen Berlet-Haus) sollten rund 18.000 qm fürs Textilsortiment offen stehen.

Nach Informationen unserer Zeitung ist die 18.000 qm-Grenze noch nicht überschritten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Textil-Anbieter als bei der Zustimmung zum städtebaulichen Vertrag durch den Rat der Stadt festgeschrieben wurden, in die Thier-Galerie einziehen, wächst zusehends.

 
 

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