Theater: Geld für dringende Investitionen fehlt

Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Finanzdrama am Theater: Kosten für eine Erneuerung der Bausubstanz, der technischen Anlagen, zur Deckung des Investitionsbedarfs und der Personalkosten kann das Haus nicht mehr aus eigenen Mitteln stemmen. Das geht aus dem Jahresabschluss und Lagebericht für das Wirtschaftsjahr 2008/09 vor

„In den vergangenen Spielzeiten wurde zu Gunsten des Brandschutzes auf allgemeine Investitionen weitgehend verzichtet. Bereits aktuell treten Investitionen zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in Konkurrenz mit dem Brandschutz”, heißt es. Das Theater muss in den Vorjahren gewährte Zuschüsse für den Brandschutz zurückzahlen - und hat so für Neuinvestitionen 2009/10 nur 753 000 Euro, 300 000 im Jahr 2010/11 und 1,5 Mio. Euro 2011/12.

„Der Brandschutz ist nicht fakultativ, sondern ein Muss”, so Bettina Pesch, geschäftsführende Direktorin. 3,7 Mio. Euro außerplanmäßigen Zuschuss hat die Stadt dem Theater aktuell gewährt; damit jedoch „können die nötigen Brandschutzmaßnahmen in der spielfreien Zeit ab 2010/11 voraussichtlich nicht weiter umgesetzt werden”, so der Bericht. Heißt: Die Arbeiten in den Foyers werden abgeschlossen - für die Verwaltung aber braucht es zusätzliche Mittel, so Pesch.

Es fehlt das Geld

Inspizientenanlage im Opernhaus, Tonmischpulte in Schauspiel und Oper, Werkstattkonzept und Heizung im Schauspiel - Bereiche, die unbedingt am Theater angegangen werden müssten. Allein: Es fehlt das Geld.

„Ich mache Jahr für Jahr darauf aufmerksam. Diese Arbeiten sind dringend notwendig”, erklärt Bettina Pesch, geschäftsführende Direktorin. Denn, wie auch der Lagebericht des Theaters unterstreicht, all diese Maßnahmen sind für die „Aufrechterhaltung des Spielbetriebs” wichtig. „Es besteht eine latente Gefahr, solange diese Großprojekte nicht angegangen werden”, sagt Pesch. Besonders drastisch klingt das im Falle der Heizung im Schauspiel: „Ein Ausfall wird von Jahr zu Jahr wahrscheinlicher und würde den Spielbetrieb des Schauspiels insbesondere im Winter sofort unmöglich machen”. so der Bericht.

„Die Investitionen in die Pflege des Hauses sind über Jahre hinweg unter finanziellem Druck vernachlässigt worden. Das zahlt sich nicht aus”, kommentiert Bürgermeister Manfred Sauer. Zwar sei es noch nicht so dramatisch - aber bei Untätigkeit bestünde im schlimmsten Fall die „Gefahr, dass das Haus aus technischen Gründen geschlossen wird.” Entsprechend wolle er heute im Ausschuss nach geplanten Maßnahmen fragen.

Abhängig von überplanmäßigen Mitteln

28,7 Mio. Euro Zuschuss bekommt das Theater von der Stadt pro Spielzeit - ist aber wegen der Personalkostensteigerungen und geringer Investitionsmittel „strukturell nicht auskömmlich finanziert” und von überplanmäßigen Mitteln abhängig, so der Lagebericht.

Risiken zeigen sich auch im künstlerischen Bereich: Angesichts des Wechsels in der Opernleitung und des hohen Vorbereitungsetats von Opernproduktionen rechnet das Theater mit höheren Belastungen, die nicht aus „eigener finanzieller Kraft zu stemmen” sind. Ein Problem, das Pesch nicht in den Medien, sondern mit Kämmerer Stüdemann diskutieren will.

Und auch der Schauspieldirektorenwechsel berge ein Risiko: Den Schauspielern, deren Verträge nicht verlängert wurden, steht eine Ausgleichzahlung zu - eine finanzielle Belastung, die die „künstlerischen Möglichkeiten” in der Saison 2010/11 einschränke. „Darüber hinaus fehlen mit dem Auslaufen der „Liebesperlen” und „Blues Brothers” zwei einnahmeträchtige Produktionen, so dass der Spielplan nur sehr konservativ aufgestellt werden kann.”

Foto: Ralf Rottmann

 
 

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