Theater Dortmund laufen die Zuschauer davon

Michael Kohlstadt
Rückläufige Besucherzahlen im Opernhaus Dortmund - Außenansicht des Gebäudes am Platz der Alten Synagoge mit Schaukasten im Vordergrund. Bild: Helmuth Voßgraff /WAZ-Fotopool
Rückläufige Besucherzahlen im Opernhaus Dortmund - Außenansicht des Gebäudes am Platz der Alten Synagoge mit Schaukasten im Vordergrund. Bild: Helmuth Voßgraff /WAZ-Fotopool
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Dortmund. Dem Dortmunder Theater laufen die Zuschauer davon. In fast allen Sparten brachen zum Auftakt der aktuellen Saison die Besucherzahlen dramatisch ein. „Wegen der Intendantenwechsel im Schauspiel und in der Oper hatten wir zwar mit einem Rückgang gerechnet“, sagte ein langjähriges Mitglied des Kulturausschusses. „Doch dass es zum Saisonauftakt derart heftig kommt, habe ich noch nicht erlebt.“

Auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Ausschuss mit den Kennzahlen für das erste Quartal der Saison. Aktuellere Daten liegen dem Gremium noch nicht vor. Die Lage soll sich inzwischen zwar leicht verbessert haben. Scharf hinterfragen will die Politik aber dennoch, ob das Theater die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat. Vor allem das Marketing gilt als Schwachstelle.

Größtes Sorgenkind bleibt weiter die teuerste Sparte, das Musiktheater. „Der Abwärtstrend in der Oper hält an“, kommentiert das ein anderes Ausschussmitglied gegenüber der WAZ. In den drei ersten Monaten der Spielzeit blieb die Zahl der verkauften Karten für Oper, Operette und Musical um 2500 hinter den erwarteten rund 11.000 zurück. Die Auslastung lag dadurch nur noch bei mageren 49 Prozent. Im Schnitt spielte das Opernhaus in den Monaten August, September und Oktober - also mitten im Kulturhauptstadtjahr - vor halbleeren Rängen. Eingeplant war dagegen eine Auslastung von gut 72 Prozent. Die Abweichung liegt 24 Prozentpunkte unter dem Soll.

Liebe zu Philharmonikern erlischt

Auch die Liebe zu den viele Jahre lang stets sehr gut besuchten Konzerten der Philharmoniker scheint in weiten Teilen der Klassikfreunde erloschen. Mit den ersten acht Konzerten der Saison erreichte man gerade einmal 4820 Zuhörer, die Konzertkarten gekauft hatten. Knapp die Hälfte der möglichen Sitzplätze blieb unbesetzt. Rein rechnerisch könnte man so das Doppelgastspiel der Philharmoniker im Konzerthaus auf einen Abend reduzieren.

Einziger Lichtblick im Trauerspiel auf Dortmunds Bühnen ist - wieder einmal - das Ballett. Die Compagnie von Ballettdirektor Xin Peng Wang bleibt mit weitem Abstand Publikumsliebling Nummer 1 und übertrifft mit rund 77 Prozent Auslastung sogar knapp die Erwartungen.

Problematischer Neuanfang

Nicht viel besser als im Musiktheater läuft’s dagegen auf den Sprechbühnen. Der Neuanfang mit Intendant Kay Voges scheint vielen Theaterliebhabern nicht zu schmecken, was überraschend auch aufs Kinder- und Jugendtheater hinüberschwappt. Sowohl die Bühne am Hiltropwall als auch die an der Sckellstraße konnten bis Ende Oktober ihre Häuser nicht einmal zur Hälfte füllen. Die Auslastung liegt jeweils bei rund 45 Prozent - und damit weit unter den Erwartungen.

Bisher gingen dem unter hohem Spardruck stehenden Theatern eingeplante Ticketerlöse in Höhe von knapp 45.000 Euro verloren.