Telefonabzocker geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus

Stephan Happel
Mit einer perfiden Betrugsmasche versuchen Abzocker derzeit an Daten von Computernutzern zu kommen. Am Telefon behaupten sie, Techniker des IT-Konzerns Microsoft zu sein und den Computer von Viren befreien zu wollen. An einem Mathestudenten aus Dortmund bissen sich die Kriminellen die Zähne aus.

Dortmund. Mit einem neuen Trick versuchen Betrüger, ahnungslose Computernutzer auszutricksen. Sie geben sich als Mitarbeiter von Microsoft aus und versuchen, den Computer mit einer Spezialsoftware fernzusteuern. Ein Dortmunder Student wäre fast zu ihrem Opfer geworden.

Es war Mittag, als das Festnetztelefon von Matthias Steffen klingelte. Ein Mann stellte sich als Servicemitarbeiter von Microsoft vor- auf Englisch und mit indischem Akzent.

Anrufer wollte fremde Software installieren

Der Computer des Studenten sei mit Viren befallen und müsse dringend gereinigt werden, fuhr der Anrufer fort. "Dazu sollte ich mich an meinen PC setzen und dem Mitarbeiter am Telefon-Support Zugriff auf meinen Rechner gestatten", erinnert sich der Mathestudent, der nicht einmal Nutzer von Microsoftprogrammen ist.

"Was dann passiert wäre, sei es, dass sie versucht hätten, meine Daten zu kopieren, mir einen Virus zu infiltrieren oder ob ich eine saftige Rechnung für den Service bekommen würde, wollte ich nicht ausprobieren", so Steffen.

Student lässt Betrüger zappeln

Erschreckend für den Dortmunder: Die Anrufer kannte seinen Wohnort, den vollen Namen und natürlich die Telefonnummer. Weil der Anrufer aber seine Straße nicht wusste, vermutet Steffen, dass seine Daten einfach aus dem Telefonbuch gefischt wurden. Dort ist sein genauer Wohnort nämlich nicht angegeben. Und noch etwas fiel dem Studenten auf: "Die Nummer war zwar nicht unterdrückt, aber es waren nur Nullen zu sehen."

Steffen verwickelte den Anrufer in ein Gespräch. Er fragte nach, erkundigte sich genauer nach dem vermeintlichen Virenbefall und verlangte den Vorgesetzten. Rund sechs Minuten biss sich der Betrüger an Matthias Steffen die Zähne aus. Dann gab er auf und brach das Gespräch ab.

Neue Betrugsmasche in NRW

Bei der Dortmunder Polizei ist die Nummer bereits bekannt. "Es handelt sich um eine ganz neue Betrugsmasche", so Polizeisprecher Peter Schulz. Und die sei kein Einzelfall: "Es gab bereits einige wenige Fälle im Dortmunder Raum", erklärt Schulz.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Beamten wollen die Betrüger vor allem an die Daten der Nutzer kommen. Welche Folgeschäden aus dem Datenklau entstehen können, ist für sie nur schwer abzuschätzen.

Am Telefon kein Risiko eingehen

Als Schutz vor den Betrügern hilft ein klarer Kopf und besonnenes Handeln. Die einfachste Möglichkeit im Umgang mit den Telefonbetrügern: Beim geringsten Zweifel das Gespräch abbrechen und die Polizei informieren. Seriöse Firmen würden nie einfach so am Telefon nach personenbezogenen Daten fragen oder Software auf dem Computer installieren wollen, so Schulz.

Der Beamte kennt aber noch einen anderen Trick: "Fragen Sie doch mal nach einer Rückrufnummer. In der Regel legen die Betreffende dann ganz von allein auf."

Auch bei Microsoft weiß man um die Masche. Auf seiner Internetseite warnt der Konzern vor solchen Betrügereien.