Taxis in Dortmund fürchten keine Einbußen durch Handy-App „myTaxi“

Ein iPhone mit der App „myTaxi“:  Für jede erfolgreich vermittelte Fahrt kassiert „myTaxi“ 79 Cent vom Fahrer. Freiberufliche Unternehmer wollen so die monatliche Gebuehr der Taxizentrale sparen, die je nach Stadt zwischen 100 und 600 Euro pro Monat liegt. Taxizentralen sehen die neue Konkurrenz erstaunlich gelassen.
Ein iPhone mit der App „myTaxi“: Für jede erfolgreich vermittelte Fahrt kassiert „myTaxi“ 79 Cent vom Fahrer. Freiberufliche Unternehmer wollen so die monatliche Gebuehr der Taxizentrale sparen, die je nach Stadt zwischen 100 und 600 Euro pro Monat liegt. Taxizentralen sehen die neue Konkurrenz erstaunlich gelassen.
Foto: dapd
Wer trendig sein will und lange Wartezeiten auf ein Taxi satt hat, greift zu einem Trick: den Chauffeur per App über ein Smartphone, etwa über „myTaxi“ rufen. Taxizentralen sehen die neue Konkurrenz erstaunlich gelassen. Die Funkzentrale „Taxi Dortmund“ fühlt sich durch die App jedenfalls nicht unter Druck gesetzt.

Dortmund.. Das Taxi kommt über ein Smartphone, etwa per App über „myTaxi“. Dort können Kunden sehen, wo Fahrzeuge unterwegs sind und mit wenigen Klicks eines bestellen, das in der Nähe ist - ohne den Weg über gewöhnliche Taxizentralen. Diese sehen die neue Konkurrenz erstaunlich gelassen. Dass Vermittlungspauschalen wegfallen könnten, fürchten sie nicht.

Bei „myTaxi“ sind derzeit 8.000 Fahrer registriert, die meisten von ihnen sind in Deutschland unterwegs. Für jede erfolgreich vermittelte Fahrt kassiert der Anbieter 79 Cent vom Chauffeur. Freiberufliche Unternehmer wollen so die monatliche Gebühr der Taxizentrale sparen, die je nach Stadt zwischen 100 und 600 Euro pro Monat liegt. „Die App ist eigentlich nur Werbung für uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Taxiverbands, Dirk Holl, der Nachrichtenagentur dapd. Die Kunden merkten schnell, dass „myTaxi“ nur wenige Fahrer habe. Bei der Suche nach anderen Anbietern stießen sie dann auf Apps, die Zentralen selbst anböten.

Die Funkzentrale „Taxi Dortmund“ fühlt sich durch die „myTaxi“-App jedenfalls nicht unter Druck gesetzt. „Wenn wir das verfolgen, dann sind in Dortmund nur fünf Fahrzeuge des Unternehmens unterwegs“, sagt Vorstandsmitglied Torsten Niederschelp. Dies reiche nicht aus, um den Kunden schnell an den gewünschten Ort zu bringen. „Für Großkunden ist das ohnehin umständlich“, erklärt er. „Ich glaube nicht, dass hinter dem Tresen im Hotel künftig Smartphones liegen werden.“ Sperren für Fahrer, die „myTaxi“ nutzen und zugleich bei der Zentrale gemeldet sind, kann er aber nicht verhängen. „Das ist rechtlich nicht haltbar“, erklärt er.

„taxi.eu“ nutzen 40.000 Fahrer

Viele Zentralen trotzen dem Anbieter durch eine eigene App. Die Anwendung „taxi.eu“ nutzen 40.000 Fahrer verschiedener Zentralen in 60 europäischen Städten, unter anderem in Prag, Brüssel, Wien, München, Berlin und Hamburg. „Von der Erreichbarkeit und Schnelligkeit sind wir der Marktführer“, sagt der Geschäftsführer von „Taxi Berlin“ und Gründer der „taxi.eu“-App, Hermann Waldner, stolz. Vor allem bei Geschäftsleuten sei es wichtig, dass diese schnell einen Fahrer bekämen. „Das funktioniert gut - nicht wie bei Neustartern, die drei, vier oder sieben Taxen in der Stadt haben und sagen, ich bin präsent“, betont er.

Auch bei den Vermittlungspauschalen gebe es keine Einbußen, fügt Waldner an. Die Zentralen vergäben so viele Aufträge, dass deren durchschnittlicher Vermittlungspreis immer noch unter dem liege, was „myTaxi“ fordere. Jeder der mehr als 120 Aufträge pro Monat habe, könne mit „myTaxi“ bereits teurer fahren. Diese Taxifahrer neigten dazu, Kunden einfach im Regen stehen zu lassen. Auch können Fahrer Anfragen über die App ablehnen, wenn ihnen der Weg zum Fahrgast zu weit ist. „Das ist natürlich nicht schön“, räumt der Geschäftsführer und Erfinder der „myTaxi“-App, Sven Külper, ein. „Wir wollen in der Regel, dass die Zusammenkunft wirklich klappt.“

Keine der Apps könne die Funkzentralen ersetzen, ist sich Waldner sicher. Viele probierten die Möglichkeit aus, riefen später aber doch wieder an. „Sie merken, dass es mit der App nicht schneller geht, wenn sie nicht gerade optimalen Handy-Empfang haben“, erklärt er. Vielleicht ist das fleißige Tippen auf dem Smartphone, um ein Taxi zu bestellen, einfach eine persönliche Inszenierung. (dapd)

 
 

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