Tattoo und Piercing am Arbeitsplatz – ein Tabu?

Rebecca Müller
Tattoos – heute fast schon gesellschaftsfähig. Foto: Figge
Tattoos – heute fast schon gesellschaftsfähig. Foto: Figge
Foto: WNM

Dortmund. Tattoos und Piercings stören massiv bei der Jobsuche – so heißt es zumindest. Aber stimmt das eigentlich? Nicht immer, verrät Berufsberaterin Daniela Mumm. Manchmal sei Körperschmuck sogar hilfreich.

Eine Spinne am Hals, Stacheldraht am Handgelenk, Ring in der Nase: Nicht jeder Arbeitgeber freut sich, wenn seine Mitarbeiter auffälligen Körperschmuck zur Schau stellen. Doch wirken Tattoos und Piercings im Vorstellungsgespräch gleich negativ? „Es gibt heute wahnsinnig viele Leute mit Tattoos, sie sind schon fast gesellschaftsfähig geworden. Viele haben Tattoos an nicht offensichtlichen Stellen“, sagt Daniela Mumm, Berufsberaterin bei der Dortmunder Arbeitsagentur. Auch einige Bankangestellte hätten sicherlich Tattoos, schätzt sie.

Bei Bewerbungsgesprächen lieber alles verdecken

Trotzdem können Tätowierungen und Piercings im Arbeitsleben Probleme machen, vor allem wenn es um Bewerbungsgespräche geht. „Gerade wenn man sich im eher konservativen Dienstleistungssektor bewirbt, kann gut sichtbarer Körperschmuck schwierig sein“, so Mumm. Im kreativen Bereich, wie etwa bei einem flippigen Friseurbetrieb, könne auffälliger Körperschmuck aber durchaus auch positiv gesehen werden - als modisches Accessoire, sozusagen.

Georg Schulte von der IHK weiß von keinem aktuellen Fall, bei dem der Körperschmuck eines Angestellten oder Bewerbers zu Problemen geführt hätte. Trotzdem wird dieses Thema im IHK-Bewerbungstraining durchaus zur Sprache gebracht. Denn je nach Berufssparte sei die Toleranz gegenüber dem tätowierten Spinnennetz am Hals unterschiedlich. „Als Mitarbeiter im Lager wird einem sicherlich ein Ohrring zugestanden, auch ein Tattoo interessiert dort nicht.

Piercings können Probleme beim Arbeitsschutz machen

Bei Berufen mit Publikumskontakt wie bei Versicherungen oder in der Verwaltung ist es aber nicht angezeigt, ein Tattoo oder Piercing im Gesicht zu haben.“ Generell müsse man gerade bei Piercings auch an die sicherheitsrelevanten Aspekte denken - beispielsweise, wenn es um den Umgang mit Maschinen geht, merkt Daniela Mumm an.

Um Probleme mit dem Arbeitgeber zu vermeiden oder um nicht gleich im Bewerbungsgespräch unangenehm aufzufallen, rät sie „ihren“ Bewerbern dazu, zunächst vorsichtig zu erkunden, wie der jeweilige Betrieb mit diesem Thema umgeht. „Ich rate immer, ein Piercing bei einem Bewerbungsgespräch rauszunehmen und ein Tattoo abzudecken.“ Das könnte durch entsprechende Kleidung geregelt werden. Später sollte das Thema aber angesprochen werden. „So lange die Bereitschaft da ist, sich anzupassen und notfalls auch das Piercing komplett rauszunehmen, wird ein Arbeitgeber damit sicherlich kein Problem haben“, sagt die Berufsberaterin.

Und aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass viele Jugendliche, die gerade ins Berufsleben einsteigen wollen, eben diese Bereitschaft an den Tag legen. Sie seien einfach froh, eine Stelle zu bekommen und nähmen deshalb auch in Kauf, ihren Körperschmuck nicht länger offen zeigen zu können.