Szene „auf den Füßen stehen“

Klaus BuskeMichael Kohlstadt
Norbert Wesseler, neuer Polizeipräsident von Dortmund.
Norbert Wesseler, neuer Polizeipräsident von Dortmund.
Foto: Ralf Rottmann
Dortmunds neuer Polizeipräsident Norbert Wesseler will die rechtre Szene in der Stadt ins Visier nehmen und den Kontrolldruck auf Nazis erhöhen. Außerdem will er die technische Ausstattung der Behörde verbessern.

„Wir müssen mit dem Personal auskommen, das wir im Moment haben“, gibt sich der neue Dortmunder Polizeipräsident Norbert Wesseler (52) keinen Illusionen hin, dass die personelle Ausstattung sich verbessert. Viele Beamte schieben weit über 100 Überstunden vor sich her. Gestern war Wesselers erster Arbeitstag im Polizeipräsidium. Die WAZ sprach mit dem Juristen, der Hans Schulze nachfolgt und verantwortlich für rund 2500 Beschäftigte ist.

Dass 2012 dennoch mehr Personal - allerdings nicht wesentlich viel mehr - in Dortmund antrete könne, liege an der angekündigten Intensivierung der polizeilichen Aktivitäten gegen Rechtsradikale. Die Dortmunder Polizei zählt, neben Köln, Wuppertal und Aachen, zu den Behörden bei denen insgesamt 35 zusätzliche Kräfte in der Aufklärung eingesetzt werden sollen. Wesseler: „Wir glauben, dass sich durch einen größeren Kontrolldruck auch bessere Ermittlungsergebnisse erzielen lassen.“ Man wolle Tätern der rechten Szene verstärkt „auf den Füßen stehen“, die Verfolgung von Straftaten aus der Szene intensivieren. Es werde eine neue Sonderkommission geben. Neben der Verstärkung „repressiver Maßnahmen“ soll gleichzeitig die Prävention (Aufklärung in den Schulen) gezielt fortgeführt werden.

Fußballgroschen

Bei steigenden Fallzahlen sank 2011 die Aufklärungsquote bei Diebstählen und Einbrüchen. Seit vielen Jahren dauert dieser Negativtrend schon an, auch landesweit. Vermehrt komme es zu Autodiebstählen. Viele Hinweise gebe es in diesem Zusammenhang zu Tätern aus Litauen. Da die Personaldecke nicht dicker werden dürfte, setze man auch hier auf Aufklärung der Bürger, um die eigene Wohnung sicherer zu machen und auf weitere interne Optimierung.

Besser werden solle auch die technische Ausstattung der Polizei. Doch die neue IT-Plattform zur optimaleren und schnelleren Abstimmung der Behörde werde wohl nicht vor 2013 betreten werden können. Wenn, dank des bestehenden Leasing-Modells, alle zwei Jahre neue Streifenwagen für die Beamten anrollen, bleibe man beim Fuhrpark in der Spur. Einen generellen „Autoritätsverlust der Gesellschaft“ gegenüber Behörden macht Wesseler mitverantwortlich für die steigende Zahl von verbalen und tätlichen Angriffen gegenüber Polizeibeamten. Das sei auf keinen Fall zu dulden. Wesseler: „Das muss konsequent verfolgt und durch die Gerichte geahndet werden.“

Wesseler, der einige Jahre als Schiedsrichter auf Fußballplätzen stand und bekennender Schalke-Fan ist, sieht keine realistische Chance, dass in absehbarer Zeit die Fußballvereine für den teilweise massiven Einsatz der Polizei bei Bundesligabegegnungen zahlen müssen. Allein beim jüngsten Revierderby waren rund 1000 Beamte im Dienst. Er wünsche sich, dass automatisch beim Ticketverkauf jeweils ein „Fußballgroschen“ mitkassiert werde, der für den Einsatz an die Polizei fließen könnte.