Unzureichende Informationspolitik

Die Amprion GmbH betreibt ein Übertragungsnetz von ca 11 000 km Länge mit den Spannungsstufen 380.000 und 220.000 Volt. Im Bild: Freileitung in Dortmund Kruckel
Die Amprion GmbH betreibt ein Übertragungsnetz von ca 11 000 km Länge mit den Spannungsstufen 380.000 und 220.000 Volt. Im Bild: Freileitung in Dortmund Kruckel
Foto: WAZ FotoPool

Kruckel. „Nein“, sagt Günter Rohden, „es ist kein Wunder, wenn es so wenig Resonanz auf die Pläne zum Ausbau des Stromnetzes gibt“. Im Internet sind die Pläne der Bundes-Netzagentur derzeit offengelegt. Doch: Dort könne man zwar mit einiger Mühe irgendwann auch Dortmund entdecken, aber ob die Leitungen über Aplerbeck oder über Kruckel führen, „das sieht kein Mensch“. Doch genau das wollten die Menschen wissen – „ist ihr Bereich betroffen“, sagt der Mann von der IG Elektrosmog aus Kruckel.

Nur dass etwas passiert, in Kruckel, direkt vor der eigenen Haustür, rund um das alte Umspannwerk – das bekommen die Bürger täglich hautnah mit. Nahe beim ehemaligen Bahnhof Kruckel wird eine riesige Leitungsbrücke über die Bahn gebaut und von dort weiter über die Menglinghauser Straße hinweg. Dreh- und Angelpunkt ist das Umspannwerk an der Kruckeler Straße 255. „Das war bisher nur mit 110 und 220 Kilo-Volt bestückt, aber jetzt sollen hier wohl auch 380 KV eingebunden werden“, sagt Rohden.“ Aber was hier eigentlich genau läuft, das weiß wieder kein Mensch“.

Und die neuen Leitungsbauwerke scheinen den Betrachtern nicht unproblematisch: An einer Stelle, auf Persebecker Gebiet, führt die von vier Masten getragene provisorische Leitung unter der Autobahnbrücke durch und wird dahinter wieder zu einem bestehenden Masten gespannt. „Da sollen 380 KV drauf sein für eine Anbindung nach Witten. Die wäre aber meines Erachtens ganz neu“, sagt Rohden.

Nichts ist mehr so, wie es war

Aus Sicht der IG Elektrosmog und der SPD in Kruckel bleibt die Informationspolitik des Netzbetreibers Amprion völlig unzureichend, meint auch Markius Demtröder für die örtlichen Sozialdemokraten. Seit rund drei Jahren laufen inzwischen Arbeiten im Bereich des Umspannwerkes. „Hier ist nichts mehr so, wie es einmal war“, sagt Demtröder, dessen SPD sich schon genau so lange um zuverlässige Informationen bemüht. Doch bisher ohne den umfassenden Erfolg. „Wenn aber nichts Konkretes kommt, dann wittert man darin auch immer eher die negativen Dinge“.

Treppenwitz aus Sicht der Betroffenen: Am Umspannwerk wurde eine Info-Tafel aufgestellt. Gespickt mit vielen Blättern. „Da steht jetzt, dass die Firmen, die hier arbeiten, dafür auch wirklich qualifiziert sind – aber das wollen wir ja mal unterstellen“, sagt Günter Rohden. Stattdessen, unterstützt ihn Markus Demtröder, gehört hier mal ein Plan hin, auf dem zu erkennen ist, was eigentlich passieren soll. Vor allem müsse daraus auch hervorgehen, welche Größenordnung hier demnächst transformiert werden soll. Zu erkennen ist bisher nur folgendes: Der geplante Neubau eines Trafos und der Ausbau einer 380 KV Anlage.

Dabei sind die Männer aus Kruckel überhaupt nicht dagegen, dass hier etwas passiert, sie fordern nur mehr Transparenz. „Man kann sich ja nicht gegen alles wehren. Das macht keinen Sinn, irgendwo müssen die Leitungen ja hin“, betont Günter Rohden, dass man vor Ort die Ausbaupläne gar nicht torpedieren will. Aber konstruktiv kritisch begleiten: „Wir wollen nur wissen, was wo passiert. Wichtig ist doch, dass die Hochspannung wegkommt von der Kruckeler Straße und der Bebauung. An der Autobahn entlang ist das doch alles viel weniger schädlich“.

Und genau das reklamiert die IG Elektrosmog jetzt: „Man braucht diese Leitungen ja, das ist klar. Aber gerade wenn man neu baut, kann man sich doch aussuchen, wohin“. Und genau das müsse schonend für die Anwohner entschieden werden.

 
 

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