Tanzen gegen rechte Gewalt

Foto: Anja Cord: Flashmoptanz an der Gesamtschule Brünninghausen gegen Neonazis
Foto: Anja Cord: Flashmoptanz an der Gesamtschule Brünninghausen gegen Neonazis
Foto: Anja Cord
„Missgeburten, Blödmänner, Dumpfbacken“: Die Schimpfworte, die Luisa, Adrian, Dennis und Ahmet für Neonazis haben, sind alles andere als schmeichelhaft. Doch die 12-Jährigen wollen noch mehr Zeichen setzen gegen rechte Gewalt und das nicht allein.

Brünninghausen.. „Missgeburten, Blödmänner, Dumpfbacken“: Die Schimpfworte, die Luisa, Adrian, Dennis und Ahmet für Neonazis haben, sind alles andere als schmeichelhaft. Doch die 12-Jährigen wollen noch mehr Zeichen setzen gegen rechte Gewalt und das nicht allein. Gestern tanzten sie mit mehreren 100 Schülerinnen und Schüler von der Gesamtschule Brünninghausen auf dem Sportplatz am Klüsenerskamp beim Flashmop gegen Rechts.

Hunderte von Armen reckten sich um zwei Minuten vor 11 Uhr zu den Klängen des Songs „Ai Se Eu Te Pego“ in die Höhe, Füße stampften, Lautsprecher schepperten. Die Choreographie dazu hatte sich die Klasse 10c mit Lehrerin Katrin Prosowksi in den vergangenen 14 Tagen einfallen lassen.

Doch ohne die Idee, die ebenfalls beim „Turnen“ entstand und das Engagement von Nele Butschkau wäre die Aktion wahrscheinlich im Sande verlaufen. Die Zehntklässlerin mobilisierte ihre Mitschüler, holte sich von der Schulleiterin grünes Licht für das Projekt. „Wir wollen den Rechten zeigen, was Gemeinsamkeit bedeutet und dass an unserer Schule kein Platz für rechte Spinner ist. Wir tanzen zu nichtdeutscher Musik und setzen damit ein öffentliches Zeichen“, sagt Nele selbstbewusst. Und da die Aktion in die Mottowoche „Assis und Penner“ der Zehntklässler fällt, kam der Jahrgang auch noch bunt gekleidet, mit löchrigen Hosen und schmutzigen T-Shirts zur Schule.

Doch nicht alle Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule tanzten gestern gegen Rechts auf dem Sportplatz „Wir üben keinen Druck aus, wer sich nicht beteiligen will, braucht das auch nicht“, erklärte Sportlehrerin Prosowski. Dafür sind viele gekommen, die eigentlich nicht mit dabei sein wollten. Ausschlaggebend waren Nazi-Schmierereien, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in der vergangenen Woche von Unbekannten auf die Außenmauern des Schulgebäudes gesprüht wurden. „Das hat uns ganz schön wütend gemacht“, so ein Schüler.

Mit der Aktion wollen sich die Kinder und Jugendlichen auch gegen die massive anonyme Verteilung von Zetteln und anderen Werbematerial mit rechtem Gedankengut vor ihrer Schule wehren. „Das passiert immer kurz vor dem Sommerferien.“, ärgert sich Nele und hofft, dass die Gesamtschule in diesem Jahr nicht wieder derart ins Visier der Rechten rückt.

Zweimal haben sie gestern den Song „gerockt“. Und die, die dabei waren, wussten warum. „Ausländer gehören auch zu Deutschland“, rufen Valentina, Jordan und Lorena im Chor. Zu ihrem Freundeskreis gehören viele Menschen mit Migrationshintergrund: Türken, Spanier, Italiener, Russen. Doch zu Hause wird manchmal eine andere Sprache gesprochen, als in der Schule: „Die Ausländer können alle kein Deutsch und leben von Hartz IV. Das hat der Papa gesagt“, erzählt eine Zehnjährige. Die Eltern des Mädchens sind keine Nazis – im Gegenteil. Doch sie verbreiten leider Vorurteile, wie sie auch von „rechten Spinnern“ gehegt werden.

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