Rudi Geyer muss neuem Vorstand im AWO-Ortsverein weichen

Mit undurchsichtiger Kassenführung, autoritärer Führung und mangelndem Vertrauen machte er sich keine Freunde: Rudi Geyer, ehemaliger Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Wellinghofen, wurde abgewählt. Zwei Drittel der Mitgliederversammlung bestimmten am Montag Annegret Schäfer als seine Nachfolgerin. Geyer war überrascht.

Wellinghofen.. Rudi Geyer (90) ist nicht mehr Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Wellinghofen. Die Mitgliederversammlung am Montag hat ihn abgewählt. Seine Nachfolgerin ist die bisherige Kassiererin Annegret Schäfer. Zwei Drittel der rund 50 anwesenden Ortsvereins-Mitglieder wählten die Rentnerin zur neuen Vorsitzenden.

Von Gegenkandidaten überrascht

Geyer, der sich bis zur Versammlung im ehemaligen Wellinghofer Amtshaus ohne Gegenkandidaten oder -kandidatin wähnte, wurde von der Entwicklung überrascht. AWO-Unterbezirks-Geschäftsführer Andreas Gora hatte zu Beginn der Versammlung die Ereignisse noch mal zusammengefasst, die zur Fortsetzung der ursprünglichen Mitgliederversammlung im März geführt hatten.

Wie berichtet, hatten die letzten Kassenprüfer Verstöße gegen die Kassenführung aufgedeckt. Ein Teil des Ortsvereins-Vorstands, darunter auch die neue Vorsitzende, hatte daraufhin den AWO-Unterbezirk eingeschaltet, der vier eigene Revisoren schickte.

Eigenmächtigkeit und autoritäres Auftreten

Diese kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Kasse zwar rein rechnerisch stimmte, doch Belege über Einnahmen aus Kaffee, Kuchen, Musik und Fußpflege fehlten. Darüber hinaus wurde die Missachtung von Vorstandsbeschlüssen beanstandet und Verstöße gegen Verträge mit der Stadt.

Geyer hatte sich unter anderem mit dem Argument verteidigt, die Kasse habe man seit 30 Jahren so geführt, Geld habe nirgendwo gefehlt, und Vertrauen müsse sein. Veruntreuung war nicht der Vorwurf gegen Geyer, aber Eigenmächtigkeit als Ortsvereins-Vorsitzender und autoritäres Auftreten.

Peter Pfeiffer weist Vorwürfe zurück

Bei der Versammlung am Montag wurden einige persönliche Erklärungen abgegeben, darunter auch von Peter Pfeiffer, der vor dem letzten Kassenprüfer-Team, das die Ungereimtheiten aufgedeckt hatte, einer von drei Revisoren war - von 2009 bis zum 22. Oktober 2012.

Er fühle sich durch die Berichterstattung zu Unrecht "in den Geruch der Mauschelei gekommen", so Pfeiffer. Vorstandsmitglieder hatten kritisiert, dass er in seiner Zeit als Revisor offensichtlich nicht so genau hingeguckt habe. Wie sonst hätten die Ungereimtheiten so lange unentdeckt bleiben können.

Pfeiffer verwehrt sich dagegen. Er habe die Kasse niemals allein geprüft. Neben den anderen Revisoren "waren auch immer mehrere Vorstandsmitglieder" anwesend, darunter der Vorsitzende Rudi Geyer und der Kassierer sowie ihre Stellvertreter. "Die stichprobenartige Überprüfung der vorgelegten Belege" habe zu keinen wesentlichen Beanstandungen geführt.

"Geprüft, was vorgelegt wurde"

Auf Nachfrage dieser Redaktion, wieso seine Nachfolger fündig geworden seien, sagte Pfeiffer: "Wir haben das geprüft, was uns vorgelegt wurde." Zur Frage, warum er nicht erkannt habe, dass von der Stadt zu Unrecht Miete für Räume, die der Stadt gehören, verlangt wurde, erwiderte Pfeiffer: "Das ist überhaupt nicht erkennbar gewesen." Die nachfolgenden Revisoren seien darauf gestoßen worden.

Auch die in der Berichterstattung erwähnte Verknüpfung zwischen der AWO Wellinghofen und dem SPD-Ortsverein Wellinghofen-Wichlinghofen sei "unzulässig", meint der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Pfeiffer. Rudi Geyer sei langjähriger Stellvertreter im SPD-Ortsverein, "aber nur einer von dreien."

Bewusst aus Kassengeschäften rausgehalten

Wie berichtet, störte es Mitglieder des Wellinghofer AWO-Vorstands, dass Geyer auch Arbeiten für den SPD-Ortsverein und die IG-Metall im AWO-Büro erledigt habe. Geyer habe nur Einladungen an die sogenannten Hausbetreuer verteilt und Geburtstagsgrüße versandt, sagt Pfeiffer und fügt hinzu, als SPD-Mitglied sei man natürlich auch Mitglied in der AWO.

Ansonsten halte er sich "ganz bewusst aus dem AWO-Kram heraus". Er habe sich persönlich immer von Kassengeschäften ferngehalten, "weil das nicht mein Ding ist."

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