Radprofi züchtet heute Kaninchen

Der einstige Radprofi Walter Schürmann und Ehefrau Ruth sind seit 60 Jahren ein Ehepaar. Foto: Anja Cord
Der einstige Radprofi Walter Schürmann und Ehefrau Ruth sind seit 60 Jahren ein Ehepaar. Foto: Anja Cord
Foto: Anja Cord

Menglinghausen.. Der Mann hat in seinem Leben mehr Kilometer unter die Pedalen genommen, als ein Autofahrer, der in seinem Berufsleben 20 Jahre täglich von Essen nach Dortmund pendeln musste. Auf dem Rad war Walter Schürmann spitze. Dreimal holte sich der 82-jährige Menglinghauser den Meistertitel: 1949 als Amateur, 1952 und 1956 als Profi. Doch auch als treusorgender Ehemann kann der ehemalige Radrennfahrer Punkte sammeln. Mit Gattin Ruth feierte er am Mittwoch in dem Haus an der Hellenbank, wo er seit 50 Jahren lebt, Diamantene Hochzeit.

Doping war damals noch kein Thema

Ruth Schürmann konnte früher mit ihrem Mann sportlich gut mithalten. Sie feierte als Turnerin im Menglinghauser Sportverein Erfolge. Ihr Bruder, Arthur Schwartmann, war ein bekannter Radsportler in Wuppertal und ein Freund ihres späteren Mannes, der schon bald ein Auge auf die Schwester seines Sportkollegen geworfen hatte. Sie war 21, er ein halbes Jahr älter und schon Profiradler, als für beide vor 60 Jahren die Hochzeitsglocken läuteten.

Walter Schürmanns Können wurde 1946 von den Brüdern Alfred, Herbert und Ede Neumann beim RuMC Sturm Hombruch entdeckt, die ein Radfahrgeschäft in Hombruch betrieben. Auf dem Sportplatz an der Deutsch-Luxemburger-Straße ließ der damals 16-Jährige bei der Talentsuche alle Konkurrenten auf einem alten Fahrrad, an dem er die Schutzbleche abmontiert hatte, hinter sich. Ein Jahr später war das Velo - von Neumann gesponsert - besser und der junge Radsportler verbuchte beim Großen Straßenpreis von Fröndenberg seinen ersten großen Sieg bei der Jugend.

Wie Perlen an einer Schnur reihten sich die weiteren Erfolge aneinander: In diesem Jahr gewann Schürmann 13 Rennen auf der Straße, acht auf der Bahn und wurde Landesverbandsmeister. Ein Höhepunkt seines Lebens war am 24. August 1949 der Sieg bei der Deutschen Straßenmeisterschaft. 92 Fahrer gingen bei strömenden Regen auf die 215 Kilometer lange Strecke mit vielen schweren Steigungen. 18 Kilometer vor dem Ziel waren noch 15 Fahrer im Rennen, darunter Schürmann, der trotz eines Raddefektes als Erster mit drei Minuten Vorsprung ins Ziel ging. Rund 1000 begeisterte Fans feierten ihren Meister einen Tag später in Hombruch.

Es ist auch das Jahr, in dem Schürmann zum ersten Mal auf einem Fahrrad mit Gangschaltung saß. „So etwas habe ich bis dahin noch nicht gekannt“. sagt der 81-Järhige, der all diese Daten noch heute so mühelos runterspulen kann, wie ein Profi seine Bahnen beim Rennen.

Doping war damals noch kein Thema: „Ich habe nie was genommen, weiß aber nicht, ob mir vielleicht mal ein Manager was untergeschoben hat“, ulkt Schürmann. Unangenehmer waren die vielen Stürze bei den Straßenrennen: „Zum Glück ist mir nie ernsthaft was passiert, obwohl ich oft Unfälle hatte“.

15 Jahre lang war Hombruchs schnellster Radler als Berufsrennfahrer im Team der Bismarckwerke in Radevormwald. Motorräder und Fahrräder wurden dort hergestellt. Heute ist die BICO Zweirad Marketing GmbH Eigentümerin der Marke Bismarck. Bis Anfang der 1960er Jahre war Schürmann für die Velobauer unterwegs, konnte jedoch nicht mehr an seine Erfolge aus den 1950er Jahren anknüpfen.

Aus dem Radprofi wurde ein Schlosser. „Ich musste ja meine Frau und unsere vier Kinder versorgen“. Heute widmet sich der Ruheständler der Kaninchenzucht. Und das fast ebenso erfolgreich, Seine Langohren haben in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Preise gewonnen. Auf einen Drahtesel setzt sich Schürmann schon lange nicht mehr. Die Knie machen nicht mehr mit und das einst so starke Herz, das ist auch schwach geworden.

 
 

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