Polizei suchte vergeblich nach mysteriösem Tunesier

Am 1. Weihnachtstag jährt sich der Mord an Dirk W. Der 43-Jährige war am 25. Dezember 2014 tot in seiner Wohnung gefunden worden. Schnell fand die Polizei einen mutmaßlichen Täter, der bestritt jedoch die Tat und beschuldigte einen Tunesier namens Samir. Eine Lösung des Falls ist noch nicht in Sicht.

Hörde. Knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod des 43-jährigen Dirk W. am Clarenberg in Hörde ist die juristische Aufarbeitung des Falles weiter in vollem Gange. Am Dienstag machten Polizeibeamte im Prozess vor dem Landgericht unter anderem deutlich, wie sehr sie sich auch mit dem angeblichen Alibi des Angeklagten beschäftigt haben.

Der junge Asylbewerber, dessen wahres Alter noch immer im Dunkeln liegt, hatte nach seiner Festnahme Anfang Januar erklärt, er habe mit der Tötung von Dirk W. nichts zu tun. In der Nacht auf den ersten Weihnachtstag 2014 sei er zwar tatsächlich in dessen Wohnung gewesen. Als dritter Mann sei aber auch ein Tunesier namens Samir vor Ort gewesen. Dieser sei mit Dirk W. alleine geblieben, nachdem man ihn vor die Tür geschickt habe, so der Angeklagte.

Tunesier ist möglicherweise nur erfunden

Weil der Asylbewerber in seiner Vernehmung weiter angab, jenen Samir in einer Unterkunft in Unna kennengelernt zu haben, forschte die Polizei dort nach. Ergebnis: Eine Person mit diesem Namen und dieser Herkunft war dort im fraglichen Zeitraum nicht registriert. Anschließend gingen die Beamten außerdem einem Hinweis nach, Samir könnte sich in einem herunter gekommenen Haus in der Nordstadt aufhalten. "Wir haben uns dort umgeschaut und später auch mit dem Vermieter der Wohnungen Kontakt aufgenommen", erklärte ein Zeuge am Dienstag. Ergebnis auch hier: kein Samir, kein Tunesier.

Schließlich förderten auch Recherchen beim Einwohneramt nichts Belastbares zu Tage. Entweder ist der Tunesier ein Produkt der Phantasie die Angeklagten oder ein Phantom, das keine Spuren hinterlassen hat.

Martin Braunschweig